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Pressebericht aus:
Das Branchen-Forum, 07.07.2011

 

Tipps zur Vorbeugung von Mitarbeiterdelikten

 

Über das Thema "Mitarbeiterdiebstahl" wird auch heute noch nur ungern gesprochen. Dabei belegen und beweisen viele Untersuchungen in Einzelhandelsunternehmen eindeutig und übereinstimmend folgende Ergebnisse: 40 bis 50 Prozent der Inventurdifferenzen im Handel entstehen durch eigene Mitarbeiter und Aushilfspersonal. Die Hälfte der internen Verluste entsteht im Kassenbereich. Ein unkorrekter Mitarbeiter richtet im Durchschnitt zehn Mal soviel Schaden an wie ein Ladendieb.

 

Auch interessant: Studien Private Waterhouse Coopers/ Martin Luther Uni-Halle 500 Großunternehmen 2005-2009. Knapp ein Drittel der Täter ist länger als 10 Jahre in dem Unternehmen beschäftigt. Ein Viertel der Täter stammt aus der mittleren Führungsebene, davon 90% männlich und 10% weiblich.

 

Altersgruppen

Bis 30 Jahre 7 %
31-40 Jahre 32 %
41-50 Jahre 44%
Ab 51 Jahre 17 %

 

Es ist auch nicht so leicht, einen Mitarbeiter des Diebstahls zu überführen. Meist geschieht dies nur mit speziellen Überwachungsmaßnahmen, wobei vorher die Zustimmung des Betriebsrates eingeholt werden muss. Auch ist es immer noch eine Seltenheit, dass ein Mitarbeiter einen anderen "anzeigt", wenn dieser unehrlich war. Dabei geht es um die Existenz eines jeden in einem Betrieb oder Geschäft. Abgesehen von dem Betriebsklima, was erheblich belastet werden kann.

 

Warum passieren Mitarbeiterdelikte?

 

Natürlich ist es selten so, dass ein Mitarbeiter mit dem Vorsatz unehrlich zu sein oder den "Chef" zu betrügen, seine Tätigkeit aufnimmt. Vielmehr werden auch vom Vorgesetzten Fehler im Umgang und Verhalten mit dem Mitarbeiter gemacht.

  • Finanzieller Anreiz (ca. 55% aller aufgefallenen Delikte)

  • Übersteigerte Ansprüche( Einfluss Familie)

  • Leichte Verführbarkeit im Betrieb- Fehlende Kontrollen ( „Das fällt schon nicht auf.“)

  • Fehlendes Unrechtsbewusstsein und Fehlinformationen („es ist doch alles in den Preisen einkalkuliert“)

  • Schlechtes Betriebsklima

  • Soziale Probleme (Verschuldung, kriminelle Veranlagung, Drogenmissbrauch, überhöhte Ansprüche). Es sollte ein Grundsatz für jede Führungskraft sein, sich mit den Problemen seiner Mitarbeiter ausführlich zu beschäftigen und wenn möglich immer Hilfe anzubieten.

  • Auch ein Missmanagement des Betriebes kann zur Unehrlichkeit verleiten. Wenn trotz höherer Inventurverluste keine Maßnahmen eingeführt werden, vermehrt Mitarbeiterdelikte ausschließen (z.B. Personalkontrollen am Ausgang, Taschenkontrollen usw.) braucht sich nicht zu wundern, wenn Gelegenheit Diebe macht.

Die meisten Manipulationen und „Unehrlichkeiten“ passieren an der Kasse. Der Schaden durch Kassenmanipulationen wird schon heute auf 0,2 bis 0,6% vom Einzelhandelsumsatz geschätzt. Deshalb ist es für jeden Marktleiter, Geschäftsführer oder Inhaber unerlässlich, diesem Bereich eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

  • Die Hauptbetrügereien an der Kasse:

  • Das falsche Eintippen von Beträgen, z.B. 2,25 Franken statt 22,50 Franken.

  • Das Arbeiten mit offener Kassenschublade.

  • Das Gewähren von unberechtigten Rabatten an Dritte.

  • Komplizenschaft zwischen dem Kassenmitarbeiter und einem Kunden, Verwandten oder Bekannten.

  • Falsche Leergutbuchungen (im Lebensmittelhandel)

  • Sofortstornos

  • Preisüberschreibungen bei Wettbewerberpreisangleich

  • Umbuchungen

Um solche Fälle zu vermeiden, ist es wichtig, Maßnahmen zur Vorbeugung zu treffen. Dies können u.a. sein:

  • Regelmäßige Kassenkontrollen, auch Kassenstürze genannt, ohne Vorankündigung

  • Personalfluktuation gering halten- schon in den Einstellungsgesprächen sorgfältig sein und prüfen, welche Einstellung hat der mögliche neue Mitarbeiter und wie ist sein Lebensstandard bisher und welche Ansprüche hat er.

  • Regelmäßige Schulungen im Geschäft über alle Themen der Diebstahlvorbeugung und des richtigen Kassiervorgangs

  • Motivation der Mitarbeiter- auch demotivierte Mitarbeiter neigen eher dazu, nicht immer ehrlich zu sein. Nicht mit Lob sparen, wenn ein Mitarbeiter etwas gut gemacht hat

  • Prämien oder Vergünstigungen für die Mitarbeiter. Lassen Sie sich etwas einfallen, wenn Sie die Inventurdifferenzen verringern wollen. Oft hilft eine kleine Prämie als Anreiz für den Mitarbeiter, mehr auf Ladendiebe zu achten.

  • Information der betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge eines Geschäfts. Erläutern Sie ihren Mitarbeitern, was eine Inventurdifferenz für die Ertragslage oder den Gewinn bedeutet.

  • Auch ist es notwendig mit Stellenbeschreibungen bzw. Arbeitsanweisungen zu arbeiten, die jeder Mitarbeiter auch unterschreiben sollte. „Ich habe von der Betriebs- und Hausordnung und Kassenvorschrift Kenntnis genommen. Ein Verstoß gegen diese Vorschriften kann eine schriftliche Abmahnung und im Wiederholungsfall eine fristlose Kündigung nach sich ziehen.“

Testkäufe zur Vorbeugung

 

Eine Begrenzung der Tatverdächtigen ist eine unbedingte Voraussetzung für eine gezielte Observation, mit deren Hilfe es möglich ist, bestimmte Mitarbeiter und Personen eindeutig zu überführen. Die Beobachtung des Verdächtigenkreises und der Räume erwies sich bisher immer noch als die geeignetste Maßnahme zur Aufdeckung innerbetrieblicher Probleme.

 

Ausschlaggebend für den Erfolg ist, dass der Testkäufer dem oder den Verdächtigen nicht bekannt ist und dass dieser über ausreichend Erfahrung und fundierte Kenntnisse der Erscheinungsformen der internen Kriminalität verfügt. Fest angestellte Hausdetektive, die den meisten schnell bekannt sind, scheiden deshalb aus dieser Tätigkeit der Observation heraus.

 

Besser geeignet sind Testkäufer, die anonym sind und als Kunde auftreten. Seine Feststellungen beim „Testkauf“ hat er nur dem Auftraggeber mitzuteilen. Die Testeinkäufer treten als gewöhnliche Kunden auf und beobachten „unauffällig“ die Verkaufsabläufe der Verdächtigen. Das Kernstück der Beobachtungen bildet die Kontrolle, ob alle Einkäufe z.B. vorschriftsmäßig registriert worden sind. In einem detaillierten Bericht werden die Einkäufe und die dazugehörigen Begleitumstände erfasst und mit Hilfe der Kassenkontrollstreifen oder Rechnungsduplikaten kann das vollständige Bild jedes Testeinkaufs rekonstruiert werden.

 

Hinweis: Es gibt heutzutage auch schon technische Möglichkeiten durch Bondatenanalysen, Fehler oder Missbrauch an der Kasse aufzudecken. Der Einsatz einer Kassensoftware ist jedoch nur mit einer entsprechenden Betriebsvereinbarung, die Mitarbeiter müssen darüber informiert sein und ist natürlich mit nicht unerheblichen Kosten verbunden.

 

Der Verfasser führt mit einem Partner auch Testkäufe für alle Branchen durch.

 

Hans-Günther Lemke

Porta Westfalica

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Hans-Günther Lemke
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