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Wichtig ist in erster Linie, dass sich der
Inhaber schon bei der Verkaufsraumgestaltung Gedanken macht, wie er
solche Maßnahmen integrieren kann. Besonders in Geschäften und
Betrieben, in denen hochwertige Waren oder technische Geräte oder auch
kleine hochwertige Produkte angeboten werden, spielt die Sicherung eine
wichtige Rolle.
Das Funktionsprinzip ist im Grundsatz bei allen gleich. Die Artikel
werden durch Spezialetiketten gesichert. Diese Etiketten können durch
berechtigtes Personal entfernt bzw. deaktiviert werden. Sobald ein Kunde
versucht, mit unbezahlter Ware den Laden zu verlassen, wird ein Alarm
ausgelöst.
Elektronische Artikelsicherung ( EAS)
Auf dem Markt haben sich unterschiedliche Systeme der elektronischen
Artikelsicherung ( EAS) etabliert, die nach verschiedenen technischen
Verfahren arbeiten. Die Empfangs- bzw. Detektionseinrichtungen sind je
nach verwendeter Technik als Schleusensystem mit seitlich angeordneten
Detektionsantennen, als Bodensysteme, als Überkopfsysteme als
integrierte Systeme, z.B. in Schaufensterpuppen, anzutreffen.
Als Sicherungsetiketten kommen je nach verwendeter Grundtechnik Hart-,
Klebe- und Softetiketten in Betracht. Diese werden mit einem speziellen
Verschluss und Spezialnadeln an der Ware befestigt. Das gefahrlose und
beschädigungsfreie Entfernen der Sicherungsetiketten vom Produkt ist nur
mit speziellem Gerät, z.B. mit Spezialmagneten, mechanischen ,
pneumatischen oder elektronischen Lösezangen möglich.
Die drei unterschiedlichen Basistechnologien für EAS, die sich in der
Praxis durchgesetzt haben, werden im folgenden vorgestellt. Sie
unterschieden sich geringfügig hinsichtlich ihrer spezifischen Vor- und
Nachteile und sind untereinander nicht kompatibel. Alle bisherigen
Versuche, die EAS zu standardisieren und zu einer einheitlichen
Technologie zu gelangen, sind gescheitert.
Auch künftig ist davon auszugehen, dass alle drei Technologien
nebeneinander angeboten werden.
Radio- Frequenz- Technik
Bei der Radio- Frequenz- Technik wird durch Sende- und Empfangstechnik
ein räumlich begrenztes Radiofrequenzfeld erzeugt. Für die Detektion-
die Auslösung des Alarms- kommen Ein- oder Mehrantennensysteme in Frage.
Beim Einantennensystem sind Sender und Empfänger kombiniert
untergebracht. Damit lassen sich bei Mittelstellung der Antenne Ausgänge
in Abhängigkeit der eingesetzten Etiketten bis zu einer Durchgangsbreite
von 2,40 m absichern.
Aus technischen Gründen ist eine Aneinanderreihung des
Einantennensystems nicht möglich, so das bei größeren Durchgangsbreiten
getrennte Sende- und Empfangsantennen montiert werden müssen. Hier
lassen sich Ausgänge von 10 und mehr Metern mit vielen Antennen
überwachen. Für die Warensicherung kommen alle gängigen Etikettenarten
wie Hart-, Soft- und Papieretiketten in Frage.
Die Detektion lässt sich weder durch Körperabschirmung noch durch dicke
Taschen vermeiden. Metallische Waren lassen sich nicht absichern, da
hier die Radiowellen eliminiert werden. Daher sollte der Handel mit
Computern und Zubehör sowie Elektro-, Rundfunk-, Fernseh- und
Phonogeräte andere Systeme einsetzen.
Die RF- Technik hat eine durchschnittliche Detektionsrate, d.h. eine
gute Auslösequalität und ist universell einsetzbar. Schwerpunkte liegen
im Textil- und Lederwarenbereich.
Elektromagnetische Technik (EM)
Sie basiert auf dem Metalldetektionsprinzip. Ein ausgewähltes Metall
sowie eine spezielle Codierung werden von der Elektronik erkannt und
lösen einen Alarm aus. Der Nachteil ist die geringe Durchgangsbreite des
Antennensystems von 0,8 bis 1 Meter. Fluchtverordnungen schreiben heute
Durchgangsbreiten von zwei Metern vor.
Bei einem Einsatz von drei Antennen kann die Durchgangsbreite auf max.
zwei Metern ausgedehnt werden. Als Sicherungselemente kommen
Hartetiketten bevorzugt Papierklebeetiketten in unterschiedlichsten
Formen zum Einsatz. Der Vorteil der EM- Technik liegt in der guten
Erkennungs- und Auslösungsqualität sowie der universellen
Einsetzbarkeit.
Die EM- Absicherung ist insbesondere in den Bereichen EDV, EDV- Zubehör,
Tonträger, Videos, Bücher sowie im Schuheinzelhandel anzutreffen.
Metallische Gegenstände können bedingt mittels EM- Technik gesichert
werden.
Akustomagnetische Technik (AM)
Bei der akustomagnetischen Technologie senden die Antennen im
Ausgangsbereich Ultraschall- Schwingungen aus. Die Hart- bzw.
Klebeetiketten enthalten zwei dünne Metallplättchen, die von den
Antennen in Eigenschwingungen versetzt werden. Das Sicherungssystem
erkennt diese Schwingungen des Etiketts innerhalb einer Erfassungsbreite
und gibt Alarm.
Die Durchgangsbreite beträgt bei allen von ADT Sensormatic angebotenen
bis zu 2,40 Meter mit vertikal installierten Antennen. Eine
Aneinanderreihung mehrerer Systeme für beliebig größere Durchgangsbreite
ist möglich. Mit Bodenantennensystemen von ADT Sensormatic können
unendlich breite Ausgänge abgedeckt werden. Der geringe
Installationsaufwand, die gute Auslösequalität sowie relativ kleine bzw.
leichte Etiketten sind als Vorteile herauszustellen.
Durch die einzigartige Beschaffenheit der Etiketten ist diese
Technologie nahezu fehlerfrei mit hindurch getragenen Waren. Zu beachten
ist die Druckempfindlichkeit des Papieretiketts, da das
Schwingungsverhalten unter Druck verändert wird. Hierbei ist zu
bemerken, dass bei jeder EAS- Technologie ein Klebeetikett einfach
mechanisch manipulierbar ist bzw. von der Ware entfernt wird. Alle
Klebeetiketten von ADT Sensormatic sind zu 100% deaktivierbar.
Mit den kleinen Klebeetiketten können nahezu alle Warenbereiche
gesichert werden. Selbst in metallhaltigen Verpackungen der Parfümerie
löst diese Technologie einen Alarm im EAS System aus. Das System ist für
alle Sortimentsbereiche geeignet, vorrangig im Bekleidungsbereich-,
Parfümerie-, Drogerie-, Baumarkt-, Media- und Super/ Hypermarktbereich.
Für Textilien gibt es auch die Möglichkeit des Einsatzes von anderen
Etiketten.
Die EAS- Systeme in Vergleich
Die Entscheidung für ein bestimmtes System ist abhängig von der
Sicherungsaufgabe, der Warengruppe, dem Kosten-/ Nutzenaspekt, den
betrieblichen und baulichen Gegebenheiten und insbesondere von den
technischen Anforderungen, die der Händler an das System stellt.
Folgende Kriterien kommen für die Auswahl eines geeigneten EAS- Systems
in Betracht:
Schleusenbreite ( Abstand zwischen den Antennen): Die erforderlichen
Schleusenbreiten hängen von der Zugangssituation im Ladengeschäft ab.
Detektionsrate ( Wahrscheinlichkeit der Erkennung des Signals):
Angestrebt wird i.d.R. eine Erkennungsrate von 100%.
Die Zuverlässigkeit des Systems hängt oftmals von der verschiedenen
Faktoren ab, etwa der Schleusendurchgangsbreite, der Größe der
eingesetzten Sicherungselemente etc.
Fehlalarm ( ungewollt ausgelöster Alarm durch Umweltstörungen oder durch
andere Objekte): Gelegentliche Fehlalarme können zwar dem Kunden die
Funktionsfähigkeit des Systems demonstrieren, bei häufigen Auftreten
bergen sie aber die Gefahr einer mangelnden Personalakzeptanz und
-reaktion.
Deaktivierungsdistanz: Vorteilhaft für eine komfortable Deaktivierung
ist eine möglichst große Entfernung des Etiketts vom Deaktivator.
Hierbei ist allerdings auch zu beachten, dass es nicht zu ungewollten
Deaktivierungen kommt, wenn z.B. von einem Dieb gesicherte Teile in eine
Großverpackung versteckt werden ( z.B. einige DVDs im Waschmittel).
Deaktivierungsquote ( Wahrscheinlichkeit der Entschärfung des Etiketts):
Eine 100%- ige Deaktivierungsquote ist unabdingbar. Nicht entsicherte
Produkte und Artikel können ansonsten unberechtigte Alarme in anderen
Betrieben auslösen.
Reaktivierbarkeit ( Möglichkeit, ein bereits entschärftes Etikett erneut
zu aktivieren): Hierbei ist zu unterscheiden zwischen der gewollten
Reaktivierung z.B. einer zurückgebrachten Ware oder der ungewollten
Reaktivierung z.B. eines in einem Kleidungsstück eingebrachten Etiketts.
Bei der akustomagnetischen Technologie können die Etiketten bewusst bei
Rücknahmen wieder reaktiviert in den Verkauf gehen. Der Händler bzw.
Kaufmann sollte die Entscheidung für ein bestimmtes System neben dem
Kostengesichtspunkt letztendlich davon abhängig machen, welches System
die für ihn wichtigsten Schlüsselkriterien am ehesten erfüllt.
Fernseh- und Videoüberwachung
Mit Hilfe von Videoüberwachungsanlagen lässt sich das Geschehen vor Ort
bzw. in einem Geschäft beobachten. Sie sind heute ein wirkungsvolles
Instrument zur Diebstahlprävention und zur Überführung von Dieben und
Betrügern im Handel. Die Videoüberwachung bietet folgende Vorteile: Vor
allem Gelegenheitsdiebe, die immer mehr seit 2003 geworden sind, werden
durch Videoüberwachungskameras, die gut und sichtbar installiert sind,
abschrecken. Die Videoaufzeichnung erleichtert die Beweissicherung und
Identifizierung des Täters.
Es lassen sich beliebig viele Objekte und Verkaufsräume gleichzeitig
überwachen. Eine Dauerüberwachung ist möglich. Sie ist allerdings
personal- und kostenintensiv, da eine mögliche Intervention im Fall
eines Diebstahls jederzeit Mitarbeiter verfügbar und anwesen sein
müssen. Meist wird ein Mitarbeiter für die jeweilige Festnahme/
Verfolgung des/ der Täter benötigt. Wenig sinnvoll sind Anzeigen bei der
Polizei mit Aufnahmen von einem unbekannten und flüchtigen Täter.
Es ist nicht unbedingt erforderlich, nur „scharfe“ Kameras zu
installieren. Auch Attrappen können durchaus eine abschreckende Wirkung
entfalten. Sinnvoll ist eine kombinierte Installation von „falschen“ und
echten Kameras. Sie sind leicht auszutauschen, so dass an einem
bestimmten Bereich im Geschäft zeitweise echte Kameras, zeitweise
Attrappen im Wechsel installiert werden.
ADT Sensormatic bietet neben Sicherheit gegen externen Diebstahl auch
Systeme zur Aufdeckung/ Verhinderung von internem Diebstahl an. Hierzu
werden die Kassendaten parallel mit dem entsprechenden Bild der Kasse
angenommen.
Es ist dann später möglich, nach außergewöhnlichen Transaktionen wie
Storno, Rückgaben, Rabatte, usw. gezielt zu suchen. Mit Hilfe solcher
Systeme werden nicht nur die „schwarzen Schafe“ innerhalb der
Mitarbeiter erkannt, das Arbeitsklima verbessert sich ebenfalls, nun
kein Mitarbeiter mehr verdächtigt wird.
Die Kunden sollten durch Aushang beim Betreten des Ladenlokals darauf
hingewiesen werden, dass eine Fernsehüberwachungsanlage installiert ist.
Aber auch Mitarbeiter und Lieferanten sollten auf die Kamerainstallation
aufmerksam gemacht werden. Für die „Gelegenheitstäter“ dürfte die
Fernseh- und Videoüberwachung als psychologische Abschreckung dienen,
für den professionellen Dieb auch, da diese durch die Hilfe der
Aufzeichnung „dingfest“ gemacht werden können.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Beim Einsatz von Fernsehüberwachungsanlagen sind sowohl die
innerbetrieblichen, als auch die Belange der Kunden zu berücksichtigen.
Zur direkten Überwachung des eigenen Personals muss ein im Unternehmen
vorhandener Betriebsrat seine Zustimmung geben. Bei der Überwachung der
Umkleidebereiche ist darauf zu achten, dass die Privatsphäre der Kunden
nicht verletzt wird. Weiter darf sich der Überwachungsbereich der
Kameras nicht über die eigenen Grundstücksgrenzen hinaus erstrecken.
Sonstige Überwachungsmöglichkeiten im Handel
Die elektronische Leinensicherung
Die Leinensicherung bietet sich vor allem für große und kleine
hochpreisige Artikel an. Dabei kann der Kunde die Ware in die Hand
nehmen- aber bei der Entfernung der Leine erfolgt ein Alarm. Besonders
für Artikel, die sonst in verschlossenen Glasvitrinen angeboten werden.
Aber auch Artikel wie Kameras, Handys oder Rasierapparate werden
inzwischen immer mehr zu Demonstrationszwecken mit der Leinensicherung
versehen. Für Massenabsicherungen ist diese Technik weniger geeignet,
aufgrund von wirtschaftlichen Überlegungen. Vorteil. Der Kunde kann die
Ware in die Hand nehmen.
Die Safer Box
Diese Möglichkeit der Warensicherung eignet sich besonders u.a. für DVD,
Batterien, Speichermedien oder auch andere hochwertige Artikel an.
Die Sensormatte
Die Sensormatte dient als Unterlage für die Warenpräsentation und
reagiert auf das Wegnehmen der Ware. Die Empfindlichkeit beginnt bei ca.
3 Gramm und kann an die Artikel angepasst werden. Die Matten sind in
unterschiedlichen Größen erhältlich.
Quellensicherung
Die Quellensicherung ist die effektivste Möglichkeit, ein Produkt zu
sichern. Bei der Herstellung kann das EAS Etikett direkt in das Produkt
eingebracht werden. Es können so Kleidungsstücke mit Einnäheetiketten
versehen werden oder z.B. Akkuschrauber direkt im Produkt gegen
Diebstahl gesichert werden. Die Ware kann bei Anlieferung im Geschäft
sofort in den Verkauf gehen, ohne dass noch ein Warensicherungsetikett
angebracht werden müsste.
Tests haben bewiesen, dass Inventurverlustrückgänge bis zu 30% möglich
sind. Durch die Sicherung im Produkt können Waren auch offen präsentiert
werden. Sie werden dann nicht mehr in Glasvitrinen gezeigt, sondern der
Kunde kann die Ware direkt anfassen und kaufen. Es ist bewiesen, dass
die offene Warenpräsentation den Abverkauf mehr als 100% steigern kann.
Das Problem: Wer übernimmt die Kosten: Handel oder Industrie?
Schließfächer
Auch die Einrichtung von Schließfächern, in denen der Kunde seine
mitgebrachte Tasche oder Tüte vor seinem Einkauf abgeben kann, ist ein
zusätzliches Hilfsmittel, um Gelegenheitsdiebstählen mehr vorzubeugen.
Es kann jedoch rechtlich nicht von einem Kunden verlangt werden, dass er
seine Taschen abgibt. Dies kann nur freiwillig geschehen.
Ansprache von Kunden bei Signalauslösung
Es kommt in einem Geschäft, welches mit einem EAS- System arbeitet,
immer wieder einmal vor, dass Alarme im Aus- und Eingangsbereich
ausgelöst werden. Es ist festgestellt werden, dass mehr als 95 % aller
Signale durch vergessene oder nicht korrekt entwertete Etiketten
ausgelöst werden.
Deshalb ist es wichtig, dass alle Mitarbeiter an den Kasse sensibel für
Alarme sind und beleiben und auch wissen, wie der „alarmauslösende“
Kunde, der kein Dieb ist, anzusprechen ist.
Der Kunde, der einen Alarm ausgelöst hat, weil er etwas gestohlen hat,
wird im Regelfall versuchen, wegzulaufen. Grundsätzlich gilt: Freundlich
bleiben.
Hans-Günther Lemke
Porta Westfalica |