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Allein im letzten Jahr 2008 wurden in
Deutschland Waren im Wert von über 4 Milliarden Euro gestohlen. Dabei
werden die Ladendiebe und Betrüger immer kreativer, professioneller und
leider auch gewalttätiger.
Der Handelsberater und mehrfacher Buchautor zum selbigen Thema
Hans-Günther Lemke ist als Berater und Trainer seit 1998 tätig und u.a.
auch Anwendungsberater der Firma ADT Sensormatic Deutschland, sowie
Ausbilder der ADG zum „Zertifizierter Handelsrevisor“. Der Beitrag zeigt
die häufigsten Tricks der Diebe auf.
1. Die einfache und gebräuchlichste Methode
Die Ware verschwindet direkt in der Einkaufstasche, in großen
Manteltaschen oder weiten offenen Jacken. Diese einfache Methode kommt
in über 90% der Fälle zum Tragen. Es betrifft die so genannten
"Gelegenheitsdiebe", die heutzutage wieder wesentlich mehr geworden
sind. Es ist besonders darauf zu achten, wenn ein Kunde im wärmeren
Frühjahr oder sogar im Sommer mit einer dicken Jacke oder einen Mantel
bekleidet, das Geschäft betritt.
2. Der „Alt-gegen-Neu“-Trick
Diese Methode wird häufig in Schuhgeschäften und Textilfachgeschäften
angewendet, wo mit neuen Schuhen an den Füßen oder mit einer teuren
Lederjacke das Geschäft verlassen wird, während die „alten Treter“ im
Regal zurückgelassen werden. Aus diesem Grund bieten heutzutage schon
viele Schuhgeschäfte in den Verkaufsräumen meist nur noch einen Schuh an
(der zweite passende Schuh wird dann von einem Verkaufsmitarbeiter aus
dem Lager geholt). Eine gute, jedoch auch sehr personalintensive Lösung.
3. Der „Trojanische Pferd“-Trick
Ein wirklich professioneller Trick. Eine offene, präparierte Handtasche
wird auf einen Warenstapel gestellt. Der Ladendieb täuscht vor, etwas in
der Tasche zu suchen. In Wirklichkeit öffnet er die im Boden der Tasche
eingelassene Klappe und zieht die unter der Tasche befindliche Ware in
die Tasche.
4. Der „Präpariertrick“
Neue Ware wird „präpariert“, um den Eindruck zu erwecken, sie sei
bereits ins Geschäft mitgebracht worden. So werden z.B. eine
angebrochene Zigarettenpackung, Schlüsselbund oder Streichhölzer in den
Taschen einer gestohlenen Jacke positioniert.
5. Der „Ablenkungstrick“
Es handelt sich dabei um eine Methode, die gerne beim Ladendiebstahl
durch mehrere Personen angewandt wird. Während eine Person die
Aufmerksamkeit des Verkaufspersonals auf sich lenkt, begehen in der
Zwischenzeit die Komplizen den Ladendiebstahl. Oder: Eine Person fragt
nach dem Artikel, der nicht im Verkaufsraum, sondern im hinteren
Geschäftsbereich bzw. auf Lager vorrätig ist. Dadurch muss das
Verkaufspersonal den Verkaufsraum für eine kurze Zeit unbeaufsichtigt
lassen, um den Artikel zu holen.
6. Der „Sicherungstrick“
Bei mit Steckkontakten (Ruhestromanlagen) gesicherten Artikeln (z.B.
Handys, Unterhaltungselektronik, Pelze etc.) wird vom Ladendieb an einem
Artikel der Kontakt entfernt und Alarm ausgelöst. Aus sicherer
Entfernung beobachtet er, ob das Personal lediglich den Alarm
ausschaltet oder auch die Kontakte kontrolliert. Falls nur der Alarm vom
Mitarbeiter angestellt wurde, ohne zu überprüfen, ob ein Kontakt an
einem Artikel unterbrochen ist, kann die entsicherte Ware vom Ladendieb
entwendet werden.
7. Der „Klaukoffertrick“
Bei diesem Trick gehen Ladendiebe in folgender Weise vor: Ein als
Geschenk präparierter hohler Karton wird in einer Tasche ins Geschäft
mitgebracht. Das Band der Geschenkverpackung umschließt den Karton
augenscheinlich fest. Das Band läuft jedoch keineswegs durchgehend,
sondern verbirgt optisch einen an der Oberseite des Kartons angebrachten
Klappdeckel.
8. Der „Verwirrtrick“
Der Ladendieb verwickelt mehrere Mitarbeiter in ein Verkaufsgespräch und
lenkt somit die Aufmerksamkeit auf sich. Derweil kann ein Komplize im
Geschäft sich als Ladendieb betätigen. Hier ist es unbedingt
erforderlich, dass sich der Verkaufsmitarbeiter sofort Unterstützung
durch einen zusätzlichen Mitarbeiter holt, wenn er "Verdächtiges"
bemerkt oder ein "ungutes" Gefühl hat.
9. „Umpacken“
Diese Methode sei an einem einfachen Beispiel erläutert: An der Kasse
bezahlt der Kunde eine Flasche Badezusatz. Im "Umkarton" befindet sich
jedoch nicht die Flasche Badezusatz sondern der teure Cognac. Dieser
Trick wird besonders häufig im Spirituosenbereich angewandt. Deshalb ist
empfehlenswert, Spirituosen ohne den Geschenkkarton zu verkaufen und auf
Wunsch den Kunden gesondert auszuhändigen. Dasselbe gilt auch für
hochwertiges Parfüm.
10. Der „Kinderwagentrick“
Ein Kinderwagen ermöglicht es, eine große Anzahl gestohlener Ware zu
entwenden. Die Ausrede des Ladendiebs bei Überführung „das muss der
Kleine wohl eingesteckt haben“ erschwert die Beweislage, da
Minderjährige nicht strafbar sind. Hier gilt es, die ertappte Mutter
oder den ertappten Vater deutlich auf Folgen eines Diebstahls oder
dessen Versuch aufmerksam zu machen. Die Personalien sollten auf jeden
Fall vermerkt werden.
11. „Gebrauchte Kassenbons“
Häufig ist gerade im Lebensmittelbereich festzustellen, dass Kunden ihre
Bons an der Kasse liegen lassen. Mit einem solchen Bon kann ein
Ladendieb „einkaufen“ gehen. Er sucht nach den eingetippten Preisen die
Waren aus und packt sie in seine Tasche. Zur Tarnung wird noch ein
zusätzliches kleines Teil gekauft, das er „vorher vergessen hatte“. An
der Kasse wird nur noch das neue Teil bezahlt und der Kassenbon als
Legitimation für die anderen Waren vorgelegt.
12. „Ineinanderpacken“
Hohlkörper, wie gekaufte Abfalleimer, Plastikkörbe oder Kochtöpfe,
werden mit gestohlener Ware aufgefüllt. Dieser Trick wird auch häufig
bei Lederwaren, z.B. Taschen oder Portemonnaies angewandt. Hier ist die
Aufmerksamkeit der Kassenmitarbeiter besonders gefordert.
13. Der „Zwiebeltrick“
Diese Methode wird häufig im Textilbereich angewendet. Sie bezieht sich
auf das Übereinanderziehen von mehreren Textilien in der Umkleidekabine.
Etiketten werden in Hohlräumen, z.B. hinter dem Spiegel, „entsorgt“. Die
Praxis zeigt, dass Umkleidekabinen in Textilgeschäften zu den
bevorzugtesten „Tatorten“ von Ladendieben gehören. Da die meisten
Betrügereien und Diebstähle in Kaufhäusern oder im Textilfachhandel in
der Umkleidekabine passieren, ist es immer wieder notwendig, alle
Verkaufsmitarbeiter zu sensibilisieren, diesen Bereich mehrmals am Tag
auf Etiketten oder leere Bügel zu kontrollieren.
14. „Aufeinanderpacken“
Ein Beispiel aus der Lebensmittelbranche verdeutlicht diese Methode:
Neben den Waren, die im Einkaufswagen sind, befindet sich auf der
unteren Abstellfläche z.B. ein sperriger, schwerer Getränkekasten.
Aufgrund des Gewichts wird der Kasten beim Kassiervorgang i.d.R. nicht
aufs Band gestellt. Somit entgehen der Kassiererin beispielsweise die
unter dem Kasten flach liegenden Zeitschriften. Auch möglich: Eine teure
Spirituose wird im Getränkekasten mit einer günstigen Limonadenflasche
getauscht.
15. Der „Schwangerschaftstrick“
Weibliche Ladendiebe täuschen manchmal eine Schwangerschaft vor, um
unter dem weiten Umstandskleid alle möglichen Waren zu verstecken.
Einzige Möglichkeit bei begründeten Verdacht: Die Person in ein Gespräch
verwickeln und zumindest der Person zeigen, dass diese bemerkt worden
ist. Oder mit gezielten Fragen versuchen, herauszufinden, ob die Frau
wirklich schwanger ist, was sicher nicht einfach ist.
16. „Die soziale Tour“
Hierbei hoffen die Täter auf das soziale Empfinden. Die nette junge Frau
mit dem eingegipsten Arm, die Mutter mit dem Kleinkind, der junge Mann
im Rollstuhl, Kinder werden durch das Drehkreuz zum wartenden Vater am
Auto auf den Parkplatz geschickt, die alte Dame, die aus Vergesslichkeit
wieder den Laden verlässt, um ihr Portemonnaie zu holen.
17. „Der Zusatzkauf“
Der Dieb stattet die von ihm ausgewählten Artikel, z.B. Hifi-Geräte,
Lampen usw. mit Zusatzartikeln aus, z.B. Glühbirnen oder Batterien, die
im Preis nicht mit enthalten sind. Hierbei sind alle Kassenmitarbeiter
immer wieder zu informieren, welche Zusatzartikel wie u.a. Batterien
oder Glühbirnen in den angebotenen Verkaufsartikeln mit enthalten sind.
Aktuell besonders zu beachten, da besonders die günstigeren Glühbirnen,
die ab 2012 nicht mehr verkauft werden dürfen, mit hochwertigeren
Energiesparlampen ausgetauscht werden könnten und sicherlich zu
„Diebstahlsrennern“ werden.
18. Der „Zeitschrift in Zeitschrift-Trick“
Eine z.B. teure Computerzeitschrift oder ein anderer teuerer Artikel
(siehe Foto) wird in eine wesentlich günstigere Zeitschrift gesteckt.
Hierbei ist immer die Aufmerksamkeit der Kassenmitarbeiter gefordert,
dieses zu kontrollieren.
19. Der „neue“ Taschentrick
Die mitgebrachten Taschen ( Handtaschen, Reisetaschen) sind mit Alufolie
ausgekleidet, so dass das Alarmsystem nicht reagiert.
20. Der „Helm-Trick“
Der "Kunde" kommt mit einem Motorradhelm oder auch einem Fahrradhelm in
das Geschäft und steckt, wenn wer nicht beobachtet wird, Kleinartikel in
den Helm. Herbei ist Aufmerksamkeit geboten, wenn dieser "Kunde" nicht
auf den ersten Blick als Motorradfahrer oder als Fahrradfahrer zu
erkennen ist ( fehlende Motorradjacke usw.).
21. Der „Deponier-Trick“
Häufig bei Textilwaren. Meist zwei Personen. Eine Person nimmt zwei oder
mehrere Teile in die Kabine und lässt bewusst ein Teil zurück. Die
zweite Person nimmt offensichtlich ein Teil in dieselbe Kabine. Das
deponierte Teil steckt sie ein oder zieht es unter ihre eigene Kleidung.
22. Der „Fenster-Trick“
Manche Geschäfte oder Kaufhäuser haben in den Verkaufsräumen Fenster,
die bei besonders warmen Witterungsbedingungen geöffnet werden.
Geschickte Ladendiebe nutzen diese Fenster, wenn sie nicht verschlossen
oder vergittert sind, Waren hinauszuwerfen, die dann ein zweiter
Komplize aufnimmt und dann verschwindet. Tipp: Alle Fenster verschlossen
halten oder wenn diese bei warmer Witterung geöffnet sein müssen oder
sollen, vergittern.
23. Der „Umetikettier-Trick“
Häufig lassen unachtsame Mitarbeiter Preisauszeichner im Geschäft
liegen. Dies kann dann leicht von Betrügern genutzt werden, sich die
Preise "selbst zu machen". Die Auszeichner sind heutzutage selbst für
Laien leicht zu benutzen. Alle Preisauszeichnungsgeräte in einem
Geschäft sollten immer verschlossen und nur für Verkaufsmitarbeiter
zugänglich sein.
24. Der „Begleiter-Trick“
Häufig wird auf den Begleiter eines Kunden, der an der Kasse steht,
nicht geachtet, da dieser „anscheinend“ keine Ware hat, sondern den
„Hauptkunden“ nur begleitet. Hier ist immer besondere Aufmerksamkeit
gefordert und der Begleiter sollte zumindest angesprochen werden.
Mögliche Abhilfe: Kassendurchgänge verengen.
25. Der „Regenschirm-Trick“
Der Regenschirm bietet den Vorteil für den Dieb, dass er nicht geöffnet
werden muss. Vorbeugung: Schirmständer für die Kunden am Eingang.
Ansonsten hilft nur, den Kunden mit dem Schirm sehr genau zu beobachten.
26. Der Trick im Außenbereich
Ein leider sehr häufiger Trick in Gartencentern oder auch Baumärkten ist
es, dass Diebe entwendete und unbezahlte Waren über den Zaun im
Außenbereich werfen, die eine zweite Person aufnimmt. Deshalb ist es
besonders wichtig, dass Zäune oder Absperrungen in Außenbereichen
zumindest ca. 3 Meter hoch sind und keine Ware so gestellt wird, dass
Diebe darauf klettern können, um dann Waren darüber zu werfen. Auch
sollten Mitarbeiter mehrmals am Tag ( am besten stündlich) den
Außenbereich auf „Auffälligkeiten“ kontrollieren.
Der Verfasser dieses Artikels ist als Berater und Trainer seit 1998
tätig und u.a. auch Anwendungsberater der Firma ADT Sensormatic
Deutschland, sowie Ausbilder der ADG zum „Zertifizierter
Handelsrevisor“.
Hans-Günther Lemke
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