Pressespiegel


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Pressebericht aus:
Detektiv Journal, 27.11.2009

Die Tricks der Diebe

Allein im letzten Jahr 2008 wurden in Deutschland Waren im Wert von über 4 Milliarden Euro gestohlen. Dabei werden die Ladendiebe und Betrüger immer kreativer, professioneller und leider auch gewalttätiger.

Der Handelsberater und mehrfacher Buchautor zum selbigen Thema Hans-Günther Lemke ist als Berater und Trainer seit 1998 tätig und u.a. auch Anwendungsberater der Firma ADT Sensormatic Deutschland, sowie Ausbilder der ADG zum „Zertifizierter Handelsrevisor“. Der Beitrag zeigt die häufigsten Tricks der Diebe auf.

1. Die einfache und gebräuchlichste Methode
Die Ware verschwindet direkt in der Einkaufstasche, in großen Manteltaschen oder weiten offenen Jacken. Diese einfache Methode kommt in über 90% der Fälle zum Tragen. Es betrifft die so genannten "Gelegenheitsdiebe", die heutzutage wieder wesentlich mehr geworden sind. Es ist besonders darauf zu achten, wenn ein Kunde im wärmeren Frühjahr oder sogar im Sommer mit einer dicken Jacke oder einen Mantel bekleidet, das Geschäft betritt.

2. Der „Alt-gegen-Neu“-Trick
Diese Methode wird häufig in Schuhgeschäften und Textilfachgeschäften angewendet, wo mit neuen Schuhen an den Füßen oder mit einer teuren Lederjacke das Geschäft verlassen wird, während die „alten Treter“ im Regal zurückgelassen werden. Aus diesem Grund bieten heutzutage schon viele Schuhgeschäfte in den Verkaufsräumen meist nur noch einen Schuh an (der zweite passende Schuh wird dann von einem Verkaufsmitarbeiter aus dem Lager geholt). Eine gute, jedoch auch sehr personalintensive Lösung.

3. Der „Trojanische Pferd“-Trick
Ein wirklich professioneller Trick. Eine offene, präparierte Handtasche wird auf einen Warenstapel gestellt. Der Ladendieb täuscht vor, etwas in der Tasche zu suchen. In Wirklichkeit öffnet er die im Boden der Tasche eingelassene Klappe und zieht die unter der Tasche befindliche Ware in die Tasche.

4. Der „Präpariertrick“
Neue Ware wird „präpariert“, um den Eindruck zu erwecken, sie sei bereits ins Geschäft mitgebracht worden. So werden z.B. eine angebrochene Zigarettenpackung, Schlüsselbund oder Streichhölzer in den Taschen einer gestohlenen Jacke positioniert.

5. Der „Ablenkungstrick“
Es handelt sich dabei um eine Methode, die gerne beim Ladendiebstahl durch mehrere Personen angewandt wird. Während eine Person die Aufmerksamkeit des Verkaufspersonals auf sich lenkt, begehen in der Zwischenzeit die Komplizen den Ladendiebstahl. Oder: Eine Person fragt nach dem Artikel, der nicht im Verkaufsraum, sondern im hinteren Geschäftsbereich bzw. auf Lager vorrätig ist. Dadurch muss das Verkaufspersonal den Verkaufsraum für eine kurze Zeit unbeaufsichtigt lassen, um den Artikel zu holen.

6. Der „Sicherungstrick“
Bei mit Steckkontakten (Ruhestromanlagen) gesicherten Artikeln (z.B. Handys, Unterhaltungselektronik, Pelze etc.) wird vom Ladendieb an einem Artikel der Kontakt entfernt und Alarm ausgelöst. Aus sicherer Entfernung beobachtet er, ob das Personal lediglich den Alarm ausschaltet oder auch die Kontakte kontrolliert. Falls nur der Alarm vom Mitarbeiter angestellt wurde, ohne zu überprüfen, ob ein Kontakt an einem Artikel unterbrochen ist, kann die entsicherte Ware vom Ladendieb entwendet werden.

7. Der „Klaukoffertrick“
Bei diesem Trick gehen Ladendiebe in folgender Weise vor: Ein als Geschenk präparierter hohler Karton wird in einer Tasche ins Geschäft mitgebracht. Das Band der Geschenkverpackung umschließt den Karton augenscheinlich fest. Das Band läuft jedoch keineswegs durchgehend, sondern verbirgt optisch einen an der Oberseite des Kartons angebrachten Klappdeckel.

8. Der „Verwirrtrick“
Der Ladendieb verwickelt mehrere Mitarbeiter in ein Verkaufsgespräch und lenkt somit die Aufmerksamkeit auf sich. Derweil kann ein Komplize im Geschäft sich als Ladendieb betätigen. Hier ist es unbedingt erforderlich, dass sich der Verkaufsmitarbeiter sofort Unterstützung durch einen zusätzlichen Mitarbeiter holt, wenn er "Verdächtiges" bemerkt oder ein "ungutes" Gefühl hat.

9. „Umpacken“
Diese Methode sei an einem einfachen Beispiel erläutert: An der Kasse bezahlt der Kunde eine Flasche Badezusatz. Im "Umkarton" befindet sich jedoch nicht die Flasche Badezusatz sondern der teure Cognac. Dieser Trick wird besonders häufig im Spirituosenbereich angewandt. Deshalb ist empfehlenswert, Spirituosen ohne den Geschenkkarton zu verkaufen und auf Wunsch den Kunden gesondert auszuhändigen. Dasselbe gilt auch für hochwertiges Parfüm.

10. Der „Kinderwagentrick“
Ein Kinderwagen ermöglicht es, eine große Anzahl gestohlener Ware zu entwenden. Die Ausrede des Ladendiebs bei Überführung „das muss der Kleine wohl eingesteckt haben“ erschwert die Beweislage, da Minderjährige nicht strafbar sind. Hier gilt es, die ertappte Mutter oder den ertappten Vater deutlich auf Folgen eines Diebstahls oder dessen Versuch aufmerksam zu machen. Die Personalien sollten auf jeden Fall vermerkt werden.

11. „Gebrauchte Kassenbons“
Häufig ist gerade im Lebensmittelbereich festzustellen, dass Kunden ihre Bons an der Kasse liegen lassen. Mit einem solchen Bon kann ein Ladendieb „einkaufen“ gehen. Er sucht nach den eingetippten Preisen die Waren aus und packt sie in seine Tasche. Zur Tarnung wird noch ein zusätzliches kleines Teil gekauft, das er „vorher vergessen hatte“. An der Kasse wird nur noch das neue Teil bezahlt und der Kassenbon als Legitimation für die anderen Waren vorgelegt.

12. „Ineinanderpacken“
Hohlkörper, wie gekaufte Abfalleimer, Plastikkörbe oder Kochtöpfe, werden mit gestohlener Ware aufgefüllt. Dieser Trick wird auch häufig bei Lederwaren, z.B. Taschen oder Portemonnaies angewandt. Hier ist die Aufmerksamkeit der Kassenmitarbeiter besonders gefordert.

13. Der „Zwiebeltrick“
Diese Methode wird häufig im Textilbereich angewendet. Sie bezieht sich auf das Übereinanderziehen von mehreren Textilien in der Umkleidekabine. Etiketten werden in Hohlräumen, z.B. hinter dem Spiegel, „entsorgt“. Die Praxis zeigt, dass Umkleidekabinen in Textilgeschäften zu den bevorzugtesten „Tatorten“ von Ladendieben gehören. Da die meisten Betrügereien und Diebstähle in Kaufhäusern oder im Textilfachhandel in der Umkleidekabine passieren, ist es immer wieder notwendig, alle Verkaufsmitarbeiter zu sensibilisieren, diesen Bereich mehrmals am Tag auf Etiketten oder leere Bügel zu kontrollieren.

14. „Aufeinanderpacken“
Ein Beispiel aus der Lebensmittelbranche verdeutlicht diese Methode: Neben den Waren, die im Einkaufswagen sind, befindet sich auf der unteren Abstellfläche z.B. ein sperriger, schwerer Getränkekasten. Aufgrund des Gewichts wird der Kasten beim Kassiervorgang i.d.R. nicht aufs Band gestellt. Somit entgehen der Kassiererin beispielsweise die unter dem Kasten flach liegenden Zeitschriften. Auch möglich: Eine teure Spirituose wird im Getränkekasten mit einer günstigen Limonadenflasche getauscht.

15. Der „Schwangerschaftstrick“
Weibliche Ladendiebe täuschen manchmal eine Schwangerschaft vor, um unter dem weiten Umstandskleid alle möglichen Waren zu verstecken. Einzige Möglichkeit bei begründeten Verdacht: Die Person in ein Gespräch verwickeln und zumindest der Person zeigen, dass diese bemerkt worden ist. Oder mit gezielten Fragen versuchen, herauszufinden, ob die Frau wirklich schwanger ist, was sicher nicht einfach ist.

16. „Die soziale Tour“
Hierbei hoffen die Täter auf das soziale Empfinden. Die nette junge Frau mit dem eingegipsten Arm, die Mutter mit dem Kleinkind, der junge Mann im Rollstuhl, Kinder werden durch das Drehkreuz zum wartenden Vater am Auto auf den Parkplatz geschickt, die alte Dame, die aus Vergesslichkeit wieder den Laden verlässt, um ihr Portemonnaie zu holen.

17. „Der Zusatzkauf“
Der Dieb stattet die von ihm ausgewählten Artikel, z.B. Hifi-Geräte, Lampen usw. mit Zusatzartikeln aus, z.B. Glühbirnen oder Batterien, die im Preis nicht mit enthalten sind. Hierbei sind alle Kassenmitarbeiter immer wieder zu informieren, welche Zusatzartikel wie u.a. Batterien oder Glühbirnen in den angebotenen Verkaufsartikeln mit enthalten sind. Aktuell besonders zu beachten, da besonders die günstigeren Glühbirnen, die ab 2012 nicht mehr verkauft werden dürfen, mit hochwertigeren Energiesparlampen ausgetauscht werden könnten und sicherlich zu „Diebstahlsrennern“ werden.

18. Der „Zeitschrift in Zeitschrift-Trick“
Eine z.B. teure Computerzeitschrift oder ein anderer teuerer Artikel (siehe Foto) wird in eine wesentlich günstigere Zeitschrift gesteckt. Hierbei ist immer die Aufmerksamkeit der Kassenmitarbeiter gefordert, dieses zu kontrollieren.

19. Der „neue“ Taschentrick
Die mitgebrachten Taschen ( Handtaschen, Reisetaschen) sind mit Alufolie ausgekleidet, so dass das Alarmsystem nicht reagiert.

20. Der „Helm-Trick“
Der "Kunde" kommt mit einem Motorradhelm oder auch einem Fahrradhelm in das Geschäft und steckt, wenn wer nicht beobachtet wird, Kleinartikel in den Helm. Herbei ist Aufmerksamkeit geboten, wenn dieser "Kunde" nicht auf den ersten Blick als Motorradfahrer oder als Fahrradfahrer zu erkennen ist ( fehlende Motorradjacke usw.).

21. Der „Deponier-Trick“
Häufig bei Textilwaren. Meist zwei Personen. Eine Person nimmt zwei oder mehrere Teile in die Kabine und lässt bewusst ein Teil zurück. Die zweite Person nimmt offensichtlich ein Teil in dieselbe Kabine. Das deponierte Teil steckt sie ein oder zieht es unter ihre eigene Kleidung.

22. Der „Fenster-Trick“
Manche Geschäfte oder Kaufhäuser haben in den Verkaufsräumen Fenster, die bei besonders warmen Witterungsbedingungen geöffnet werden. Geschickte Ladendiebe nutzen diese Fenster, wenn sie nicht verschlossen oder vergittert sind, Waren hinauszuwerfen, die dann ein zweiter Komplize aufnimmt und dann verschwindet. Tipp: Alle Fenster verschlossen halten oder wenn diese bei warmer Witterung geöffnet sein müssen oder sollen, vergittern.

23. Der „Umetikettier-Trick“
Häufig lassen unachtsame Mitarbeiter Preisauszeichner im Geschäft liegen. Dies kann dann leicht von Betrügern genutzt werden, sich die Preise "selbst zu machen". Die Auszeichner sind heutzutage selbst für Laien leicht zu benutzen. Alle Preisauszeichnungsgeräte in einem Geschäft sollten immer verschlossen und nur für Verkaufsmitarbeiter zugänglich sein.

24. Der „Begleiter-Trick“
Häufig wird auf den Begleiter eines Kunden, der an der Kasse steht, nicht geachtet, da dieser „anscheinend“ keine Ware hat, sondern den „Hauptkunden“ nur begleitet. Hier ist immer besondere Aufmerksamkeit gefordert und der Begleiter sollte zumindest angesprochen werden. Mögliche Abhilfe: Kassendurchgänge verengen.

25. Der „Regenschirm-Trick“
Der Regenschirm bietet den Vorteil für den Dieb, dass er nicht geöffnet werden muss. Vorbeugung: Schirmständer für die Kunden am Eingang. Ansonsten hilft nur, den Kunden mit dem Schirm sehr genau zu beobachten.

26. Der Trick im Außenbereich
Ein leider sehr häufiger Trick in Gartencentern oder auch Baumärkten ist es, dass Diebe entwendete und unbezahlte Waren über den Zaun im Außenbereich werfen, die eine zweite Person aufnimmt. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Zäune oder Absperrungen in Außenbereichen zumindest ca. 3 Meter hoch sind und keine Ware so gestellt wird, dass Diebe darauf klettern können, um dann Waren darüber zu werfen. Auch sollten Mitarbeiter mehrmals am Tag ( am besten stündlich) den Außenbereich auf „Auffälligkeiten“ kontrollieren.

Der Verfasser dieses Artikels ist als Berater und Trainer seit 1998 tätig und u.a. auch Anwendungsberater der Firma ADT Sensormatic Deutschland, sowie Ausbilder der ADG zum „Zertifizierter Handelsrevisor“.

 

Hans-Günther Lemke

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