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Pressebericht aus:
equitrends, 06.11.2009

Die Tricks der Langfinger

Ladendiebe und Betrüger immer kreativer und professioneller und machen auch nicht halt vor dem Reitsportfachhandel.

Den „typischen“ Dieb gibt es leider nicht mehr, denn Diebe kommen aus allen Altersstufen und Sozialschichten.

Entscheidend ist, dass die Mitarbeiter im Verkauf und an der Kasse die Tricks der Diebe und Betrüger kennen und erkennen, um möglichen Verlusten durch Diebstahl vorzubeugen und aufzudecken. Auch ist es wichtig, Verhaltensmuster der Diebe zu erkennen und dementsprechend vorbeugend zu handeln.

Interessant ist für Geschäftsinhaber auch die Feststellung, dass Ladendiebe in den meisten Fällen "ruhigere" Mittagszeiten und auch häufig die Abendstunden für ihre unlauteren Absichten bevorzugen. Dies hat auch damit zu tun, dass Verkaufspersonal in der letzten Stunde ihrer Arbeitszeit verständlicherweise nicht mehr so aufmerksam und konzentriert sind, wie die Zeiten davor.

Da viele Geschäfte in der Regel nicht die Möglichkeit haben, elektronische Absicherungsanlagen einzusetzen, gilt es besonders, die Verkaufsmitarbeiter noch sensibler für dieses Thema zu machen, so dass diese schon beim Eintreten der Kunden achtsam sind bzw. sein sollten.

 

Wie erkenne ich einen möglichen Dieb?

 

Es ist heutzutage wirklich nicht einfach, einen Ladendieb auf Anhieb zu erkennen, denn es kommt jede Altersgruppe und auch jede Person, egal welcher sozialer Herkunft, in Betracht, einen Diebstahl zu begehen. Die meisten Ladendiebstähle werden auch heute noch von Gelegenheitsdieben durchgeführt ("Gelegenheit macht Diebe"). Diese Diebe stehlen nicht jeden Tag und sind meist dementsprechend nervös. Daher besteht eine gute und realistische Chance, die möglichen Diebe anhand ihrer Verhaltensweisen zu erkennen.

Bei Personen mit folgenden Verhaltensweisen haben sie es mit großer Wahrscheinlichkeit mit potenziellen Ladendieben zu tun:

  • Kunden, die sich vorsichtig nach allen Seiten umschauen und unauffällig wegschauen

  • Kunden vermeiden möglichst den direkten Augenkontakt und gehen Verkaufsmitarbeitern gezielt beim Näher kommen aus dem Weg

  • Kunden stellen sich so hin, dass sie nicht gesehen oder bemerkt werden können, was sie tun

  • Unruhiges und misstrauisches Beobachten von Käufern und Verkäufern. Ein  ehrlicher Kunde interessiert sich für die Ware und nicht für sein Umfeld.

  • Kunden kommen oft an dieselbe Verkaufsstelle oder zur selben Warengruppe zurück, kaufen jedoch nichts, sondern halten sich auffällig lange im bestimmten Bereich auf

  • Kunden öffnen und schlissen häufiger als normal üblich ihre Mantel- oder Jackentaschen. Hier könnte es möglich sein, dass Ware versteckt wird.

  • Langes, eingehendes Betrachten der Ware und Interesse für die unterschiedlichsten Artikel, die in die Hand genommen werden, häufig aber auch wieder zurückgelegt werden. Sinn und Zweck ist das Warten auf eine günstige Gelegenheit, die Ware zu "verstecken".

  • Kunden platzieren offen und häufiger ihre Taschen auf der Ware im Verkaufsraum und suchen demonstrativ Autoschlüssel oder Sonstiges.

Vorsicht bei Ablenkungsmanövern!

 

Wirken bei einem Diebstahl mehrere Personen zusammen, kann häufig folgendes Verhalten beobachtet werden:

Der Versuch, sich gegenseitig abzuschirmen, so dass von einem Verkaufsmitarbeiter nicht erkannt werden kann, was "vor sich geht". Mindestens eine der Personen hat die Aufgabe, das Verkaufspersonal abzulenken. Benutzung von Hilfsmitteln (z.B. präparierte Taschen, Mäntel mit tiefen Taschen, Kinderwagen).

Mehrere Kunden geben sich z.B. Zeichen auf bestimmte Waren oder auf bestimmte Ladenecken oder Türen (möglicher Fluchtweg). Eine Gruppe von mehreren Kunden versuchen, das Verkaufspersonal in eine andere Ladenecke oder in das Lager wegen besonderer Wünsche zu führen.

 

Verhaltenstipps für den Ernstfall

 

Schließlich stellt sich die Frage: Wie soll man sich beim Stellen eines Ladendiebs am besten- und korrekt- verhalten?

  • Ruhe bewahren, d.h. nicht hektisch sein, da sich dies sonst auf den "Ertappten" überträgt

  • Einschreiten zum richtigen Zeitpunkt, d.h.

  • Erst wenn der Ladendiebstahl zweifelsfrei feststeht, sollte eingegriffen werden, d.h. in der Regel hinter dem Kassenbereich

  • Das Gespräch mit dem Dieb immer im Beisein eines Zeigen führen

  • Keine körperlichen Durchsuchungen – dies ist nur der Polizei erlaubt

  • Beweise sichern, d.h. darauf achten, dass der Ladendieb die gestohlene Ware nicht auf dem Weg in das Büro ablegt

  • Polizei hinzuziehen, wenn sich der Dieb nicht ausweisen kann oder ein Wiederholungstäter ist

  • Sollte ein ehrlicher Kunde zu Unrecht beschuldigt worden sein, ist das Mindeste, sich sofort und ausdrücklich zu entschuldigen.

  • Wachsamkeit ist äußerst wichtig, allerdings darf ein Grundsatz dabei keinesfalls auf der Strecke bleiben, denn: Jeder Dieb ist ein Kunde- aber nicht jeder Kunde ist ein (potenzieller) Dieb!

Nachfolgend sind die häufigsten Tricks aufgeführt:

 

1. Die einfache und gebräuchlichste Methode

Die Ware verschwindet direkt in der Einkaufstasche, in großen Manteltaschen oder auch in weiten offenen Jacken. Diese einfache Methode kommt in über 90% der Fälle zum Tragen. Es betrifft die so genannten "Gelegenheitsdiebe", die heutzutage wieder wesentlich mehr geworden sind.

Es ist besonders darauf zu achten, wenn ein Kunde im wärmeren Frühjahr oder sogar im Sommer mit einer dicken Jacke oder einen Mantel bekleidet, das Geschäft betritt.

2. Der „Trojanische Pferd“-Trick

Ein wirklich professioneller Trick. Eine offene, präparierte Handtasche wird auf einen Warenstapel gestellt. Der Ladendieb täuscht vor, etwas in der Tasche zu suchen. In Wirklichkeit öffnet er die im Boden der Tasche eingelassene Klappe und zieht die unter der Tasche befindliche Ware in die Tasche.

3. Der „Ablenkungstrick“

Es handelt sich dabei um eine Methode, die gerne beim Ladendiebstahl durch mehrere Personen angewandt wird. Während eine Person die Aufmerksamkeit des Verkaufspersonals auf sich lenkt, begehen in der Zwischenzeit die Komplizen den Ladendiebstahl. Oder: Eine Person fragt nach dem Artikel, der nicht im Verkaufsraum, sondern im hinteren Geschäftsbereich bzw. auf Lager vorrätig ist. Dadurch muss das Verkaufspersonal den Verkaufsraum für eine kurze Zeit unbeaufsichtigt lassen, um den Artikel zu holen.

4. Der „Klaukoffertrick“

Bei diesem Trick gehen Ladendiebe in folgender Weise vor: Ein als Geschenk präparierter hohler Karton wird in einer Tasche ins Geschäft mitgebracht. Das Band der Geschenkverpackung umschließt den Karton augenscheinlich fest. Das Band läuft jedoch keineswegs durchgehend, sondern verbirgt optisch einen an der Oberseite des Kartons angebrachten Klappdeckel.

5. Der „Verwirrtrick“

Der Ladendieb verwickelt mehrere Mitarbeiter in ein Verkaufsgespräch und lenkt somit die Aufmerksamkeit auf sich. Derweil kann ein Komplize im Geschäft sich als Ladendieb betätigen. Hier ist es unbedingt erforderlich, dass sich der Verkaufsmitarbeiter sofort Unterstützung durch einen zusätzlichen Mitarbeiter holt, wenn er "Verdächtiges" bemerkt oder ein "ungutes" Gefühl hat.

6. „Teuer in Billig“

Diese Methode sei an einem einfachen Beispiel erläutert: An der Kasse bezahlt der Kunde ein Paar günstige Reiterhandschuhe für 9,95 €. In der Verpackung befinden sich jedoch wesentlich teuere Handschuhe für über 30 Euro. Dieser Trick wird auch bei vielen anderen Waren, die im Karton oder in Taschen verpackt sind, angewandt.

7.„Gebrauchte Kassenbons“

Häufig ist festzustellen, dass Kunden ihre Bons an der Kasse liegen lassen. Mit einem solchen Bon kann ein Ladendieb „einkaufen“ gehen. Er sucht nach den eingetippten Preisen die Waren aus und packt sie in seine Tasche. Zur Tarnung wird noch ein zusätzliches kleines Teil gekauft, das er „vorher vergessen hatte“. An der Kasse wird nur noch das neue Teil bezahlt und der Kassenbon als Legitimation für die anderen Waren vorgelegt.

8 „Ineinanderpacken“

Hohlkörper oder andere Plastikwaren z.B. werden mit gestohlener Ware aufgefüllt. Hier ist die Aufmerksamkeit der Kassenmitarbeiter besonders gefordert.

9. „Aufeinanderpacken“

Ein Beispiel verdeutlicht diese Methode: Neben den Waren, die im Einkaufswagen sind, befindet sich auf der unteren Abstellfläche z.B. ein großer Beutel Katzenstreu. Aufgrund des Gewichts wird das Streu beim Kassiervorgang nicht auf den Kassentisch gelegt. Somit entgehen der Kassiererin beispielsweise die unter dem Kasten flach liegenden Pferdefachzeitschriften.

10. "Die soziale Tour"

Hierbei hoffen die Täter auf das soziale Empfinden. Die nette junge Frau mit dem eingegipsten Arm, die Mutter mit dem Kleinkind, der junge Mann im Rollstuhl, Kinder werden durch das Drehkreuz zum wartenden Vater am Auto auf den Parkplatz geschickt, die alte Dame, die aus Vergesslichkeit wieder den Laden verlässt, um ihr Portemonnaie zu holen.

11. "Der Zusatzkauf"

Der Dieb stattet die von ihm ausgewählten Artikel, z.B. Elektrogeräte mit Zusatzartikeln aus, z.B. Batterien, die im Preis nicht mit enthalten sind. Hierbei sind alle Kassenmitarbeiter immer wieder zu informieren, welche Zusatzartikel in den angebotenen Verkaufsartikeln mit enthalten sind.

12. Der "Zeitschrift in Zeitschrift-Trick"

Eine z.B. teure Fachzeitschrift wird in eine wesentlich günstigere Zeitschrift gesteckt. Hierbei ist immer die Aufmerksamkeit der Kassenmitarbeiter gefordert, dieses zu kontrollieren. Auch ein beliebter Trick, um gestohlene Grußkarten zu „verstecken“.

13. Der "Helm- Trick"

Der "Kunde" kommt mit einem Motorradhelm oder auch einem Fahrradhelm in das Geschäft und steckt, wenn wer nicht beobachtet wird, Kleinartikel wie z.B. Vitaminpräparate für Pferde in den Helm.
Herbei ist Aufmerksamkeit geboten, wenn dieser "Kunde" nicht auf den ersten Blick als Motorradfahrer oder als Fahrradfahrer zu erkennen ist
( fehlende Motorradjacke usw.).

14. Der Schwangerschaftstrick"

Weibliche Ladendiebe täuschen manchmal eine Schwangerschaft vor, um unter dem weiten Umstandskleid alle möglichen Waren zu verstecken. Einzige Möglichkeit bei begründeten Verdacht: Die Person in ein Gespräch verwickeln und zumindest der Person zeigen, dass diese bemerkt worden ist. Oder mit gezielten Fragen versuchen, herauszufinden, ob die Frau wirklich schwanger ist, was sicher nicht einfach ist.

15. Der "Umetikettier- Trick"

Häufig lassen unachtsame Mitarbeiter Preisauszeichner im Geschäft liegen. Dies kann dann leicht von Betrügern genutzt werden, sich die Preise "selbst zu machen". Die Auszeichner sind heutzutage selbst für Laien leicht zu benutzen. Alle Preisauszeichnungsgeräte in einem Geschäft sollten immer verschlossen und nur für Verkaufsmitarbeiter zugänglich sein.

16. Der „Begleiter- Trick“

Häufig wird auf den Begleiter eines Kunden, der an der Kasse steht, nicht geachtet, da dieser „anscheinend“ keine Ware hat, sondern den „Hauptkunden“ nur begleitet.
Hier ist immer besondere Aufmerksamkeit gefordert und der Begleiter sollte zumindest angesprochen werden. Mögliche Abhilfe: Kassendurchgänge verengen.

17. Der „Regenschirm-Trick“

Der Regenschirm bietet den Vorteil für den Dieb, dass er nicht geöffnet werden muss. Vorbeugung: Schirmständer für die Kunden am Eingang. Ansonsten hilft nur, den Kunden mit dem Schirm sehr genau zu beobachten.

18. Der „Alt-Gegen-Neu“-Trick

Auch ein beliebter Trick. Der Kunde zieht im Fachgeschäft die neuen hochwertigen Reitstiefel an und lässt seine alten Stiefel einfach im Regal. Hier sind viele Geschäfte schon so weit, dass sie nur noch einen Stiefel zeigen und erst bei Nachfrage des Kunden den zweiten aus dem Lager holen.

 

Hans-Günther Lemke

Porta Westfalica

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Hans-Günther Lemke
Training für Führung und Verkauf
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