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Pressebericht aus:
Der Elektrohändler, 04.09.2009

Aus des Diebes Trickkiste


Allein im letzten Jahr wurden in Deutschland Waren im Wert von über 5 Milliarden Euro gestohlen. Dabei werden die Ladendiebe und Betrüger immer kreativer, professioneller und leider auch gewalttätiger. Deshalb ist es wichtig und auch notwendig, dass Mitarbeiter im Verkauf die häufigsten Trick der „Langfinger“ kennen und erkennen.

Der Handelsberater Hans-Günther Lemke ist als Buchautor und Trainer seit 1998 tätig und u.a. auch Anwendungsberater der Firma ADT Sensormatic Deutschland in den Themen Videoüberwachung und Warensicherung. Dazu ist er auch Ausbilder der ADG „Zertifizierter Handelsrevisor“.

1. Die einfache und gebräuchlichste Methode
Die Ware verschwindet direkt in der Einkaufstasche, in großen Manteltaschen oder weiten offenen Jacken. Diese einfache Methode kommt in über 90% der Fälle zum Tragen. Es betrifft die so genannten „Gelegenheitsdiebe“, die heutzutage wieder wesentlich mehr geworden sind. Es ist besonders darauf zu achten, wenn ein Kunde im wärmeren Frühjahr oder sogar im Sommer mit einer dicken Jacke oder einen Mantel bekleidet, das Geschäft betritt.

2. Der „Trojanische Pferd“-Trick
Ein wirklich professioneller Trick. Eine offene, präparierte Handtasche wird auf einen Warenstapel gestellt. Der Ladendieb täuscht vor, etwas in der Tasche zu suchen. In Wirklichkeit öffnet er die im Boden der Tasche eingelassene Klappe und zieht die unter der Tasche befindliche Ware in die Tasche.

3. Der „Ablenkungstrick“
Es handelt sich dabei um eine Methode, die gerne beim Ladendiebstahl durch mehrere Personen angewandt wird. Während eine Person die Aufmerksamkeit des Verkaufspersonals auf sich lenkt, begehen in der Zwischenzeit die Komplizen den Ladendiebstahl. Oder: Eine Person fragt nach dem Artikel, der nicht im Verkaufsraum, sondern im hinteren Geschäftsbereich bzw. auf Lager vorrätig ist. Dadurch muss das Verkaufspersonal den Verkaufsraum für eine kurze Zeit unbeaufsichtigt lassen, um den Artikel zu holen. Es sollte deshalb im „Normalfall“ niemals ein Kunde in einem Geschäft allein gelassen werden.

4. Der „Sicherungstrick“
Bei mit Steckkontakten (Ruhestromanlagen) gesicherten Artikeln (z.B. Handys, Unterhaltungselektronik, etc.) wird vom Ladendieb an einem Artikel der Kontakt entfernt und Alarm ausgelöst. Aus sicherer Entfernung beobachtet er, ob das Personal lediglich den Alarm ausschaltet oder auch die Kontakte kontrolliert. Falls nur der Alarm vom Mitarbeiter angestellt wurde, ohne zu überprüfen, ob ein Kontakt an einem Artikel unterbrochen ist, kann die entsicherte Ware vom Ladendieb entwendet werden.

5. Der „Klaukoffertrick“
Bei diesem Trick gehen Ladendiebe in folgender Weise vor: Ein als Geschenk präparierter hohler Karton wird in einer Tasche ins Geschäft mitgebracht. Das Band der Geschenkverpackung umschließt den Karton augenscheinlich fest. Das Band läuft jedoch keineswegs durchgehend, sondern verbirgt optisch einen an der Oberseite des Kartons angebrachten Klappdeckel. Deshalb sollten Kunden mit kofferähnlichen Behältern oder Kartons immer genau beobachtet werden.

6. Der „Verwirrtrick“
Der Ladendieb verwickelt mehrere Mitarbeiter in ein Verkaufsgespräch und lenkt somit die Aufmerksamkeit auf sich. Derweil kann ein Komplize im Geschäft sich als Ladendieb betätigen. Hier ist es unbedingt erforderlich, dass sich der Verkaufsmitarbeiter sofort Unterstützung durch einen zusätzlichen Mitarbeiter holt, wenn er „Verdächtiges“ bemerkt oder ein „ungutes“ Gefühl hat.

7. „Teuer in Billig -Trick“
Diese Methode sei an einem einfachen Beispiel erläutert: An der Kasse bezahlt der Kunde eine günstige Compuer-Mouse für 3,99 €. Im Karton befindet sich jedoch nicht die günstige Mouse, sondern eine wesentlich teuere Mouse für 14,99 Euro. Hier ist die Aufmerksamkeit an der Kasse gefordert, d.h. es sollten in einem Geschäft immer Kartons und Holkörper auf Inhalt geprüft werden.

8. Der „Kinderwagentrick“
Ein Kinderwagen ermöglicht es, eine große Anzahl gestohlener Ware zu „verstecken“. Auch kommt dazu, dass die Mutter oder der Vater keine Gelegenheit haben, einen Einkaufswagen oder Korb zu benutzen, da sie den Kinderwagen führen müssen. Wichtig ist es auf jeden Fall, zumindest diese Kunden im „Auge“ zu behalten oder beim Einkauf behilflich zu sein.

9. „Gebrauchte Kassenbons“
Es ist immer wieder festzustellen, dass Kunden ihre Bons an der Kasse liegen lassen. Mit einem solchen Bon kann ein Ladendieb „einkaufen“ gehen. Er sucht nach den eingetippten Preisen die Waren aus und packt sie in seine Tasche. Zur Tarnung wird noch ein zusätzliches kleines Teil gekauft, das er „vorher vergessen hatte“. An der Kasse wird nur noch das neue Teil bezahlt und der Kassenbon als Legitimation für die anderen Waren vorgelegt. Meist geht der „Betrüger“ dann an eine andere Kasse. Kassenmitarbeiter sollten deshalb immer nachfragen, ob der Einkauf auch wirklich in Ordnung war.

10. „Ineinanderpacken“
Hohlkörper, wie gekaufte Wasserkocher, Bügeleisen oder wie auf dem Foto zu sehen ein Aktenvernichter. werden mit gestohlener Ware( Fotobeispiel CD.Rohlinge) aufgefüllt. Auch hier hilft nur als Gegenmittel die genaue Kontrolle der Kassenmitarbeiter.

11. „Aufeinanderpacken“
Neben den Waren, die im Einkaufswagen sind, befindet sich auf der unteren Abstellfläche z.B. ein sperriger, schwerer Karton. Aufgrund des Gewichts wird der Karton beim Kassiervorgang oft nicht auf das Kassenband oder den Kassentisch gestellt. Somit entgehen der Kassiererin beispielsweise die unter dem Kasten flach liegenden Zeitschriften oder andere nicht bezahlte Artikel.

12. Der „Schwangerschaftstrick“
Weibliche Ladendiebe täuschen manchmal eine Schwangerschaft vor, um unter dem weiten Umstandskleid alle möglichen Waren zu verstecken. Einzige Möglichkeit bei begründeten Verdacht: Die Person in ein Gespräch verwickeln und zumindest der Person zeigen, dass diese bemerkt worden ist.

13. „Die soziale Tour“
Hierbei hoffen die Täter auf das soziale Empfinden. Die nette junge Frau mit dem eingegipsten Arm, die Mutter mit dem Kleinkind, der junge Mann im Rollstuhl, Kinder werden durch das Drehkreuz zum wartenden Vater am Auto auf den Parkplatz geschickt, die alte Dame, die aus Vergesslichkeit wieder den Laden verlässt, um ihr Portemonnaie zu holen.

14. „Der Zusatzkauf“
Der Dieb stattet die von ihm ausgewählten Artikel, z.B. Hifi-Geräte, Lampen usw. mit Zusatzartikeln aus, z.B. Glühbirnen oder Batterien, die im Preis nicht mit enthalten sind. Hierbei sind alle Kassenmitarbeiter immer wieder zu informieren, welche Zusatzartikel wie u.a. Batterien oder Glühbirnen in den angebotenen Verkaufsartikeln mit enthalten sind.

15. Der „Zeitschrift in Zeitschrift-Trick“
Eine z.B. teure Computerzeitschrift oder ein anderer teuerer Artikel (siehe Foto) wird in eine wesentlich günstigere Zeitschrift gesteckt. Hierbei ist immer die Aufmerksamkeit der Kassenmitarbeiter gefordert, dieses zu kontrollieren.

16. Der „neue“ Taschentrick
Die mitgebrachten Taschen ( Handtaschen, Reisetaschen) sind mit Alufolie ausgekleidet, so dass das Alarmsystem nicht reagiert. Bei neueren Warensicherungssystemen ist dies allerdings nicht mehr möglich.

17. Der „Helm-Trick“
Der „Kunde“ kommt mit einem Motorradhelm oder auch einem Fahrradhelm in das Geschäft und steckt, wenn wer nicht beobachtet wird, Kleinartikel ( USB-Sticks, Batterien usw.) in den Helm. Hierbei ist Aufmerksamkeit geboten, wenn dieser „Kunde“ nicht auf den ersten Blick als Motorradfahrer oder als Fahrradfahrer zu erkennen ist ( fehlende Motorradjacke usw.).

18. Der „Umetikettier-Trick“
Häufig lassen unachtsame Mitarbeiter Preisauszeichner im Geschäft liegen. Dies kann dann leicht von Betrügern genutzt werden, sich die Preise „selbst zu machen“. Die Auszeichner sind heutzutage selbst für Laien leicht zu benutzen. Alle Preisauszeichnungsgeräte in einem Geschäft sollten immer verschlossen und nur für Verkaufsmitarbeiter zugänglich sein.

19. Der „Begleiter-Trick“
Häufig wird auf den Begleiter eines Kunden( dies kann auch ein Kind sein), der an der Kasse steht, nicht geachtet, da dieser „anscheinend“ keine Ware hat, sondern den „Hauptkunden“ nur begleitet. Auch kann es sein, dass ein Kind versehentlich und ohne das es ein Elternteil weiss, etwas eingesteckt hat. Hier ist immer besondere Aufmerksamkeit gefordert und der Begleiter sollte zumindest angesprochen werden. Mögliche Abhilfe: Kassendurchgänge verengen.

20. Der „Regenschirm-Trick“
Der Regenschirm bietet den Vorteil für den Dieb, dass er nicht geöffnet werden muss und viele Kleinartikel problemlos versteckt werden können. Vorbeugung: Schirmständer für die Kunden am Eingang. Ansonsten hilft nur, den Kunden mit dem Schirm sehr genau zu beobachten.

 

Hans-Günther Lemke

Porta Westfalica

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