Pressespiegel



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Pressebericht aus:
Zoofachtrend, 03.02.2009


Der Feind in eigenen Reihen


Verhalten und Vorbeugung bei Mitarbeiterdelikten

Die Themen "Ladendiebstahl" und "Inventurdifferenzen" sind als Themen Dauerbrenner. Neben den neueren Verlustbereichen wie Falschgeld, EC-Kartenbetrug, organisierter Diebstahl, die es zu bekämpfen gilt, gehören nach wie vor auch der korrekte Umgang und die Vorbeugung für Mitarbeiterdelikte dazu.

 

Über das Thema "Mitarbeiterdiebstahl" wird auch heute noch nur ungern gesprochen. Dabei belegen und beweisen viele Untersuchungen in Einzelhandelsunternehmen eindeutig und übereinstimmend folgende Ergebnisse:

  • 40 bis 50 Prozent der Inventurdifferenzen im Handel entstehen durch eigene Mitarbeiter und Aushilfspersonal.

  • Die Hälfte der internen Verluste entsteht im Kassenbereich.

  • Ein unkorrekter Mitarbeiter richtet im Durchschnitt zehn Mal soviel Schaden an wie ein Ladendieb.

Auch zeigt die Erfahrung, dass bei aufgefallenen Fälle dies meist Mitarbeiter mit einer Betriebszugehörigkeit ab sieben Jahre betraf. Dies, da dieser Personenkreis ein Vertrauensverhältnis in dem Unternehmen hat und alle Schwachstellen in der Organisation kennt. Es ist auch nicht so leicht, einen Mitarbeiter des Diebstahls zu überführen. Meist geschieht dies nur mit speziellen Überwachungsmaßnahmen, wobei vorher die Zustimmung des Betriebsrates eingeholt werden muss. Auch ist es immer noch eine Seltenheit, dass ein Mitarbeiter einen anderen "anzeigt", wenn dieser unehrlich war. Dabei geht es um die Existenz eines jeden in einem Betrieb oder Geschäft. Abgesehen von dem Betriebsklima, was erheblich belastet werden kann.

 

Warum passieren Mitarbeiterdelikte?

 

Natürlich ist es selten so, dass ein Mitarbeiter mit dem Vorsatz unehrlich zu sein oder den "Chef" zu betrügen, seine Tätigkeit aufnimmt. Vielmehr werden auch vom Vorgesetzten Fehler im Umgang und Verhalten mit dem Mitarbeiter gemacht.

 

Die häufigsten Fehler der Vorgesetzten:

  • Der Mitarbeiter hat ein fehlendes Unrechtsbewusstsein und meint, in den Verkaufspreisen sei alles mit einkalkuliert. Dem Mitarbeiter fehlen Informationen, wie die Verkaufskalkulation aussieht.

  • Auch ein schlechtes Betriebsklima ( wenig Lob- nur Kritik) kann zur Unehrlichkeit von Mitarbeitern führen. Motto: "Dem Chef" wische ich eins aus."

  • Soziale Probleme wie z. B Überschuldung, Alkoholmissbrauch oder auch kriminelle Veranlagungen bei Mitarbeitern führen häufig zu Delikten. Es sollte ein Grundsatz für jede Führungskraft sein, sich mit den Problemen seiner Mitarbeiter ausführlich zu beschäftigen und wenn möglich immer Hilfe anzubieten.

  • Auch ein Missmanagement des Betriebes kann zur Unehrlichkeit verleiten. Wenn trotz höherer Inventurverluste keine Maßnahmen eingeführt werden, vermehrt Mitarbeiterdelikte ausschließen (z.B. Personalkontrollen am Ausgang, Taschenkontrollen usw.) braucht sich nicht zu wundern, wenn Gelegenheit Diebe macht.

  • Übersteigerte Ansprüche z.B. auch durch negativen Einfluss in der eigenen Familie.

Verhalten bei Verdacht – Wie erkenne ich mögliche Delikte?

 

Tatbereich Lager:

  • Aufgerissene Verpackungen im Lager

  • Unverplombte gelieferte Behälter

  • Waren ohne Begleitpapiere

  • Unnötiges Packmaterial in Lieferfahrzeugen

  • Mitarbeiterfahrzeuge im engeren Parkbereich der Warenannahme

  • Ware im Lager in firmeneigenen Tragetaschen

Tatbereich Verkaufsraum:

  • Versteckte Waren in den Personalräumen

  • Fremde Verpackungen in Garderoben

  • Zerrissene oder zerknüllte Auszeichnungsmaterialien in Räumen, die nur dem Personal zugänglich sind

  • Warenverstecke in Handlägern

  • Kundenfertig verpackte Ware unter den Verkaufstischen

  • Verstopfte Kunden- und Personaltoiletten

  • Personalkäufe, die die Kaufkraft einzelner übersteigen

Tatbereich Kasse:

  • Handschriftliche Zahlennotizen auf Zetteln und Bons

  • Papierkügelchen in der Kassenlade

  • Auffallende Fehlbonmengen

  • Frei herumliegende Schlüssel an der Kasse

  • Nicht einrastende Kassenladen

  • Häufig auftretende runde Differenzen

  • Kundenreklamationen wegen unrichtiger Geldwechslung

Diese „Spuren“ sind sicher nicht vollständig und auch kein ausreichender Tatverdacht gegen einzelne oder mehrere Mitarbeiter. Es können lediglich Hinweise auf bekannte Praktiken der internen Kriminalität gewonnen werden und es ist möglich, den Kreis der Verdächtigen einzuengen.

 

Die meisten Manipulationen und "Unehrlichkeiten" passieren an der Kasse. Der Schaden durch Kassenmanipulationen wird schon heute auf 0,2 bis 0,6 % vom Einzelhandelsumsatz geschätzt. Deshalb ist es für jeden Marktleiter, Geschäftsführer oder Inhaber unerlässlich, diesem Bereich eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

 

Die Hauptbetrügereien an der Kasse:

  • Das falsche Eintippen von Beträgen, z.B. 2,25 Euro statt 22,50 Euro

  • Das Arbeiten mit offener Kassenschublade

  • Das Gewähren von unberechtigten Rabatten an Dritte

  • Komplizenschaft zwischen dem Kassenmitarbeiter und einem Kunden, Verwandten oder Bekannten

  • Falsche Leergutbuchungen (im Lebensmittelhandel)

  • Sofortstornos

  • Preisüberschreibungen bei Wettbewerberpreisangleich

  • Umbuchungen

Um solche Fälle zu vermeiden, ist es wichtig, Maßnahmen zur Vorbeugung zu treffen. Dies können u.a. sein:

  • Regelmäßige Kassenkontrollen, auch Kassenstürze genannt, ohne Vorankündigung

  • Personalfluktuation gering halten- schon in den Einstellungsgesprächen sorgfältig sein und prüfen, welche Einstellung hat der mögliche neue Mitarbeiter und wie ist sein Lebensstandard bisher und welche Ansprüche hat er.

  • Regelmäßige Schulungen im Geschäft über alle Themen der Diebstahlvorbeugung und des richtigen Kassiervorgangs

  • Motivation der Mitarbeiter- auch demotivierte Mitarbeiter neigen eher dazu, nicht immer ehrlich zu sein. Nicht mit Lob sparen, wenn ein Mitarbeiter etwas gut gemacht hat

  • Prämien oder Vergünstigungen für die Mitarbeiter. Lassen Sie sich etwas einfallen, wenn Sie die Inventurdifferenzen verringern wollen. Oft hilft eine kleine Prämie als Anreiz für den Mitarbeiter, mehr auf Ladendiebe zu achten.

  • Information der betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge eines Geschäfts. Erläutern Sie ihren Mitarbeitern, was eine Inventurdifferenz für die Ertragslage oder den Gewinn bedeutet.

  • Auch ist es notwendig mit Stellenbeschreibungen bzw. Arbeitsanweisungen zu arbeiten, die jeder Mitarbeiter auch unterschreiben sollte.

„Ich habe von der Betriebs- und Hausordnung und Kassenvorschrift Kenntnis genommen. Ein Verstoß gegen diese Vorschriften kann eine schriftliche Abmahnung und im Wiederholungsfall eine fristlose Kündigung nach sich ziehen.“

 

Testkäufer

 

Eine Begrenzung der Tatverdächtigen ist eine unbedingte Voraussetzung für eine gezielte Observation, mit deren Hilfe es möglich ist, bestimmte Mitarbeiter und Personen eindeutig zu überführen. Die Beobachtung des Verdächtigenkreises und der Räume erwies sich bisher immer noch als die geeignetste Maßnahme zur Aufdeckung innerbetrieblicher Probleme.

 

Ausschlaggebend für den Erfolg ist, dass der Testkäufer dem oder den Verdächtigen nicht bekannt ist und dass dieser über ausreichend Erfahrung und fundierte Kenntnisse der Erscheinungsformen der internen Kriminalität verfügt. Fest angestellte Hausdetektive, die den meisten schnell bekannt sind, scheiden deshalb aus dieser Tätigkeit der Observation heraus.

 

Besser geeignet sind Testkäufer, die anonym sind und als Kunde auftreten. Seine Feststellungen beim „Testkauf“ hat er nur dem Auftraggeber mitzuteilen. Die Testeinkäufer treten als gewöhnliche Kunden auf und beobachten „unauffällig“ die Verkaufsabläufe der Verdächtigen. Das Kernstück der Beobachtungen bildet die Kontrolle, ob alle Einkäufe z.B. vorschriftsmäßig registriert worden sind. In einem detaillierten Bericht werden die Einkäufe und die dazugehörigen Begleitumstände erfasst und mit Hilfe der Kassenkontrollstreifen oder Rechnungsduplikaten kann das vollständige Bild jedes Testeinkaufs rekonstruiert werden.

 

Hinweis: Es gibt heutzutage auch schon technische Möglichkeiten durch Bondatenanalysen, Fehler oder Missbrauch an der Kasse aufzudecken.

 

Der Einsatz einer Kassensoftware ist jedoch nur mit einer entsprechenden Betriebsvereinbarung, die Mitarbeiter müssen darüber informiert sein und ist natürlich mit nicht unerheblichen Kosten verbunden. Auch eine Möglichkeit ist der Einsatz einer Videoüberwachung, die heute schon in vielen Unternehmen ( nicht nur wegen Personalkontrollen) eingesetzt wird. Dies hilft am besten zur allgemeinen Abschreckung bei Kunden- sowie auch bei Personaldiebstählen. Auch hier muss vorab eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat, wenn vorhanden, abgestimmt werden.

 

Hans-Günther Lemke

Porta Westfalica

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Hans-Günther Lemke
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