|
|

Erfolgreiche Diebstahlverhütung und mehr
Sicherheit im Fachhandel
(Teil 1)
Verhalten und Erkennung
von Ladendieben
Allein im letzten Jahr wurden in Deutschland
Waren im Wert von über 4 Milliarden Euro gestohlen. Dabei werden die
Ladendiebe und Betrüger immer kreativer, professioneller und leider auch
gewalttätiger.
Der Handelsberater Hans- Günther Lemke (www.lemke-training.de), der auch
u.a. für das Unternehmen STAPLES als Berater und Trainer tätig ist,
zeigt in den nächsten drei Ausgaben die Grundlinien einer erfolgreichen
Diebstahlverhütung auf, erläutert wie sich beim Stellen eines
Ladendiebes zu verhalten ist und wie Sicherheitsmassnahmen aussehen
können.
Das beste Rezept, um Ladendiebstahl und anderen Betrügereien
entgegenzuwirken, ist immer noch der aufmerksame Mitarbeiter. Vielfach
wird im Handel jedoch erst dann reagiert, wenn die Inventurergebnisse
feststehen. In vielen Fällen ist dies eindeutig zu spät, nämlich dann,
wenn die Inventurdifferenz im Verhältnis zum Umsatz zu hoch ist und
dadurch Arbeitsplätze und notwendige Betriebsergebnisse gefährdet sind.
Ladendiebe kommen heutzutage aus allen sozialen Schichten. Interessant
ist auch die Feststellung, dass Ladendiebe in den meisten Fällen
"ruhigere" Mittagszeiten und auch häufig die Abendstunden für ihre
unlauteren Absichten bevorzugen. Dies hat auch damit zu tun, dass
Verkaufspersonal in der letzten Stunde ihrer Arbeitszeit
verständlicherweise nicht mehr so aufmerksam und konzentriert sind, wie
die Zeiten davor.
Da viele Geschäfte in der Regel nicht die Möglichkeit haben,
elektronische Absicherungsanlagen einzusetzen, gilt es besonders, die
Verkaufsmitarbeiter noch sensibler für dieses Thema zu machen, so dass
diese schon beim Eintreten der Kunden achtsam sind bzw. sein sollten.
Wie erkenne ich
einen möglichen Dieb?
Es ist heutzutage wirklich nicht einfach,
einen Ladendieb auf Anhieb zu erkennen, denn es kommt jede Altersgruppe
und auch jede Person, egal welcher sozialer Herkunft, in Betracht, einen
Diebstahl zu begehen.
Die meisten Ladendiebstähle werden auch heute noch von
Gelegenheitsdieben durchgeführt ("Gelegenheit macht Diebe"). Diese Diebe
stehlen nicht jeden Tag und sind meist dementsprechend nervös.
Daher besteht eine gute und realistische Chance, die möglichen Diebe
anhand ihrer Verhaltensweisen zu erkennen. Allein das „frühe“ Ansprechen
eines Kunden ist bereits eine Maßnahme zur „Abschreckung von
Ladendieben, da diese in einem Geschäft schnell erkennen sollten, dass
Sie schon beim Eintreten bemerkt werden.
Bei Personen mit folgenden Verhaltensweisen haben sie es mit großer
Wahrscheinlichkeit mit potenziellen Ladendieben zu tun:
-
Kunden, die sich vorsichtig nach allen
Seiten umschauen und unauffällig wegschauen
-
Kunden vermeiden möglichst den direkten
Augenkontakt und gehen Verkaufsmitarbeitern gezielt beim Näher
kommen aus dem Weg
-
Kunden stellen sich so hin, dass sie
nicht gesehen oder bemerkt werden können, was sie tun
-
Unruhiges und misstrauisches Beobachten
von Käufern und Verkäufern (der ehrliche Kunde interessiert sich für
die Ware und nicht für sein Umfeld)
-
Kunden kommen oft an dieselbe
Verkaufsstelle oder zur selben Warengruppe zurück, kaufen jedoch
nichts, sondern halten sich auffällig lange im bestimmten Bereich
auf.
-
Kunden öffnen und schlissen häufiger als
normal üblich ihre Mantel- oder Jackentaschen. Hier könnte es
möglich sein, dass Ware versteckt wird.
-
Langes, eingehendes Betrachten der Ware
und Interesse für die unterschiedlichsten Artikel, die in die Hand
genommen werden, häufig aber auch wieder zurückgelegt werden. Sinn
und Zweck ist das Warten auf eine günstige Gelegenheit, die Ware zu
"verstecken".
-
Kunden platzieren offen und häufiger
ihre Taschen auf der Ware im Verkaufsraum und suchen demonstrativ
Autoschlüssel oder Sonstiges.
Vorsicht bei
Ablenkungsmanövern!
Wirken bei einem Diebstahl mehrere Personen zusammen, kann häufig
folgendes Verhalten beobachtet werden:
-
Der Versuch, sich gegenseitig
abzuschirmen, so dass von einem Verkaufsmitarbeiter nicht erkannt
werden kann, was "vor sich geht".
-
Mindestens eine der Personen hat die
Aufgabe, das Verkaufspersonal abzulenken.
-
Benutzung von Hilfsmitteln (z.B.
präparierte Taschen, Mäntel mit tiefen Taschen, Kinderwagen).
-
Mehrere Kunden geben sich z.B. Zeichen
auf bestimmte Waren oder auf bestimmte Ladenecken oder Türen
(möglicher Fluchtweg).
-
Eine Gruppe von mehreren Kunden
versuchen, das Verkaufspersonal in eine andere Ladenecke oder in das
Lager wegen besonderer Wünsche zu führen.
Verhaltenstipps für den
Ernstfall
Schließlich stellt sich die Frage: Wie soll
man sich beim Stellen eines Ladendiebs am besten- und korrekt-
verhalten?
-
Ruhe bewahren, d.h. nicht hektisch sein,
da sich dies sonst auf den "Ertappten" überträgt
-
Einschreiten zum richtigen Zeitpunkt,
d.h. Erst wenn der Ladendiebstahl zweifelsfrei feststeht, sollte
eingegriffen werden, d.h. in der Regel hinter dem Kassenbereich
-
Das Gespräch mit dem Dieb immer im
Beisein eines Zeigen führen
-
Keine körperlichen Durchsuchungen – dies
ist nur der Polizei erlaubt
-
Beweise sichern, d.h. darauf achten,
dass der Ladendieb die gestohlene Ware nicht auf dem Weg in das Büro
ablegt
-
Polizei hinzuziehen, wenn sich der Dieb
nicht ausweisen kann oder ein Wiederholungstäter ist
-
Sollte ein ehrlicher Kunde zu Unrecht
beschuldigt worden sein, ist das Mindeste, sich sofort und
ausdrücklich zu entschuldigen.
Wachsamkeit ist äußerst wichtig, allerdings
darf ein Grundsatz dabei keinesfalls auf der Strecke bleiben, denn:
Jeder Dieb ist ein Kunde- aber nicht jeder Kunde ist ein (potenzieller)
Dieb!
Im nächsten Teil beschäftigen wir uns dann
mit den Tricks der Diebe.
Hans-Günther Lemke
Porta Westfalica |