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Allein in 2006 wurden in Deutschland Waren
im Wert von über 4 Milliarden Euro gestohlen. Dabei werden die
Ladendiebe und Betrüger und dessen Tricks immer kreativer und
professioneller. Neben der Erkennung der verschiedenen Verhaltensweisen
von möglichen Ladendieben, ist es auch wichtig, dass Verkaufspersonal
zumindest die am meisten „benutzten“ Tricks der „Langfinger“ kennt. Der
Handelsberater Hans-Günther Lemke, aus Porta Westfalica ist als Berater,
Buchautor und Trainer seit 1998 selbständig tätig und bietet zu den
Themen „Diebstahlverhütung und Inventurverbesserung“ verschiedene
Schulungsmöglichkeiten und Beratungsformen auch für kleine und mittlere
Fachgeschäfte an. Der Beitrag zeigt die häufigsten Tricks der Diebe auf.
1. Die einfache und gebräuchlichste
Methode
Die Ware verschwindet direkt in der Einkaufstasche, in großen
Manteltaschen oder weiten offenen Jacken. Diese einfache Methode kommt
in über 90% der Fälle zum Tragen. Es betrifft die so genannten
"Gelegenheitsdiebe", die heutzutage wieder wesentlich mehr geworden
sind. Es ist besonders darauf zu achten, wenn ein Kunde im wärmeren
Frühjahr oder sogar im Sommer mit einer dicken Jacke oder einen Mantel
bekleidet, das Geschäft betritt.
2. Der „Trojanische Pferd“-Trick
Ein wirklich professioneller Trick. Eine offene, präparierte Handtasche
wird auf einen Warenstapel gestellt. Der Ladendieb täuscht vor, etwas in
der Tasche zu suchen. In Wirklichkeit öffnet er die im Boden der Tasche
eingelassene Klappe und zieht die unter der Tasche befindliche Ware in
die Tasche.
3. Der „Ablenkungstrick“
Es handelt sich dabei um eine Methode, die gerne beim Ladendiebstahl
durch mehr als eine Person angewandt wird. Meist wird dieser Trick
benutzt, wenn in einem Bäckereifachgeschäft sich nur ein
Verkaufsmitarbeiter aufhält oder allein hinter der Theke steht. Während
eine Person die Aufmerksamkeit des Verkaufspersonals auf sich lenkt,
begehen in der Zwischenzeit die Komplizen bzw. der Komplize den
Ladendiebstahl. Oder: Eine Person fragt nach dem Artikel, der nicht im
Verkaufsraum, sondern im hinteren Geschäftsbereich bzw. auf Lager
vorrätig ist. Dadurch muss das Verkaufspersonal den Verkaufsraum für
eine kurze Zeit unbeaufsichtigt lassen, um den Artikel zu holen.
4. Der „Kinderwagentrick“
Ein Kinderwagen ermöglicht es, eine große Anzahl gestohlener Ware zu
entwenden. Die Ausrede des Ladendiebs bei Überführung „das muss der
Kleine wohl eingesteckt haben“ erschwert die Beweislage, da
Minderjährige nicht strafbar sind. Hier gilt es, die ertappte Mutter
oder den ertappten Vater deutlich auf Folgen eines Diebstahls oder
dessen Versuch aufmerksam zu machen. Die Personalien sollten auf jeden
Fall vermerkt werden.
5. „Gebrauchte Kassenbons“
Häufig ist gerade im Lebensmittelbereich festzustellen, dass Kunden ihre
Bons an der Kasse liegen lassen. Mit einem solchen Bon kann ein
Ladendieb „einkaufen“ gehen. Er sucht nach den eingetippten Preisen die
Waren aus und packt sie in seine Tasche. Zur Tarnung wird noch ein
zusätzliches kleines Teil gekauft, das er „vorher vergessen hatte“. An
der Kasse wird nur noch das neue Teil bezahlt und der Kassenbon als
Legitimation für die anderen Waren vorgelegt.
6. „Ineinanderpacken“
Manche Bäckereifachgeschäfte verkaufen auch Artikel in Kartons verpackt,
z.B. Tchiboartikel. Hier hat ein Dieb die Möglichkeit zusätzliche Waren
in den Karton zu „verstecken“. Hier ist die Aufmerksamkeit der
Kassenmitarbeiter besonders gefordert und es sollte selbstverständlich
für das Verkaufspersonal sein, alle Kartonwaren oder andere Hohlkörper
immer genau zu prüfen.
7. Der „Schwangerschaftstrick"
Weibliche Ladendiebe täuschen manchmal eine Schwangerschaft vor, um
unter dem weiten Umstandskleid alle möglichen Waren zu verstecken.
Einzige Möglichkeit bei begründeten Verdacht: Die Person in ein Gespräch
verwickeln und zumindest der Person zeigen, dass diese bemerkt worden
ist. Oder mit gezielten Fragen versuchen, herauszufinden, ob die Frau
wirklich schwanger ist, was sicher nicht einfach ist.
8. Der „Zeitschrift in Zeitschrift-Trick"
Eine z.B. teure Computerzeitschrift oder ein anderer teuerer Artikel
(siehe Foto) wird in eine wesentlich günstigere Zeitschrift gesteckt.
Hierbei ist immer die Aufmerksamkeit der Kassenmitarbeiter gefordert,
dieses zu kontrollieren.
9. Der „Helm-Trick"
Der „Kunde" kommt mit einem Motorradhelm oder auch einem Fahrradhelm in
das Geschäft und steckt, wenn wer nicht beobachtet wird, Kleinartikel in
den Helm. Herbei ist Aufmerksamkeit geboten, wenn dieser „Kunde" nicht
auf den ersten Blick als Motorradfahrer oder als Fahrradfahrer zu
erkennen ist (fehlende Motorradjacke usw.).
10. Der „Umetikettier-Trick"
Häufig lassen unachtsame Mitarbeiter Preisauszeichner im Geschäft
liegen. Dies kann dann leicht von Betrügern genutzt werden, sich die
Preise "selbst zu machen". Die Auszeichner sind heutzutage selbst für
Laien leicht zu benutzen. Alle Preisauszeichnungsgeräte in einem
Geschäft sollten immer verschlossen und nur für Verkaufsmitarbeiter
zugänglich sein.
11. Der „Regenschirm-Trick“
Der Regenschirm bietet den Vorteil für den Dieb, dass er nicht geöffnet
werden muss. Vorbeugung: Schirmständer für die Kunden am Eingang.
Ansonsten hilft nur, den Kunden mit dem Schirm sehr genau zu beobachten.
12. Der „Begleiter- Trick“
Häufig wird auf den Begleiter eines Kunden, der an der Kasse steht,
nicht geachtet, da dieser „anscheinend“ keine Ware hat, sondern den
„Hauptkunden“ nur begleitet. Hier ist immer besondere Aufmerksamkeit
gefordert und der Begleiter sollte zumindest angesprochen werden („haben
Sie auch etwas gefunden?“).
Hans-Günther Lemke
Porta Westfalica |