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Allein im letzten Jahr wurden in Deutschland Waren im Wert von über 4
Milliarden Euro !!! gestohlen. Dabei werden die Ladendiebe und Betrüger
immer kreativer, professioneller und leider auch gewalttätiger. Deshalb
ist es u.a. sehr wichtig und dient auch der Vorbeugung und Erkennung von
möglichen Ladendiebstählen, dass Mitarbeiter (- innen) im Verkauf auch
wissen, welche Tricks heutzutage Diebe und Betrüger anwenden. Der
Handelsberater Hans- Günther Lemke ist als Berater und Trainer seit 1998
tätig und u.a. auch Anwendungsberater der Firma ADT Sensormatic
Deutschland.
1. Die einfache und gebräuchlichste Methode
Die Ware verschwindet direkt in der Einkaufstasche, in großen
Manteltaschen oder weiten offenen Jacken. Diese einfache Methode kommt
in über 90% der Fälle zum Tragen. Es betrifft die so genannten
"Gelegenheitsdiebe", die in 2005 und 2006 wieder mehr geworden sind. Es
ist besonders darauf zu achten, wenn ein Kunde im wärmeren Frühjahr oder
sogar im Sommer mit einer dicken Jacke oder einen Mantel bekleidet, das
Geschäft betritt.
2. Der „Trojanische Pferd“-Trick
Ein wirklich professioneller Trick. Eine offene, präparierte Handtasche
wird auf einen Warenstapel gestellt. Der Ladendieb täuscht vor, etwas in
der Tasche zu suchen. In Wirklichkeit öffnet er die im Boden der Tasche
eingelassene Klappe und zieht die unter der Tasche befindliche Ware in
die Tasche.
3. Der „Ablenkungstrick“
Es handelt sich dabei um eine Methode, die gerne beim Ladendiebstahl
durch mehrere Personen angewandt wird. Während eine Person die
Aufmerksamkeit des Verkaufspersonals auf sich lenkt, begehen in der
Zwischenzeit die Komplizen den Ladendiebstahl. Oder: Eine Person fragt
nach dem Artikel, der nicht im Verkaufsraum, sondern im hinteren
Geschäftsbereich bzw. auf Lager vorrätig ist. Dadurch muss das
Verkaufspersonal den Verkaufsraum für eine kurze Zeit unbeaufsichtigt
lassen, um den Artikel zu holen.
4. Der „Klaukoffertrick“
Bei diesem Trick gehen Ladendiebe in folgender Weise vor: Ein als
Geschenk präparierter hohler Karton wird in einer Tasche ins Geschäft
mitgebracht. Das Band der Geschenkverpackung umschließt den Karton
augenscheinlich fest. Das Band läuft jedoch keineswegs durchgehend,
sondern verbirgt optisch einen an der Oberseite des Kartons angebrachten
Klappdeckel.
5. Der „Verwirrtrick“
Der Ladendieb verwickelt mehrere Mitarbeiter in ein Verkaufsgespräch und
lenkt somit die Aufmerksamkeit auf sich. Derweil kann ein Komplize im
Geschäft sich als Ladendieb betätigen. Hier ist es unbedingt
erforderlich, dass sich der Verkaufsmitarbeiter sofort Unterstützung
durch einen zusätzlichen Mitarbeiter holt, wenn er "Verdächtiges"
bemerkt oder ein "ungutes" Gefühl hat.
6. „Umpacken“
Diese Methode sei an einem einfachen Beispiel erläutert: An der Kasse
bezahlt der Kunde ein günstiges Hundeschergerät. Im Karton befindet sich
jedoch nicht das günstige Gerät, sondern ein wesentlich teueres
elektrisches Gerät. Dieser Trick wird auch häufig bei günstigen Artikeln
wie z.B. Tiershampoos oder Vitaminpräparaten angewandt. Hierbei ist
empfehlenswert, dass an der Kasse alle Waren, die im Karton verpackt
sind, zu öffnen.
7. Der „Kinderwagentrick“
Ein Kinderwagen ermöglicht es, eine große Anzahl gestohlener Ware zu
entwenden. Die Ausrede des Ladendiebs bei Überführung „das muss der
Kleine wohl eingesteckt haben“ erschwert die Beweislage, da
Minderjährige nicht strafbar sind. Hier gilt es, die ertappte Mutter
oder den ertappten Vater deutlich auf Folgen eines Diebstahls oder
dessen Versuch aufmerksam zu machen. Die Personalien sollten auf jeden
Fall vermerkt werden.
8.„Gebrauchte Kassenbons“
Häufig ist gerade im Fachhandel festzustellen, dass Kunden ihre Bons an
der Kasse liegen lassen. Mit einem solchen Bon kann ein Ladendieb
„einkaufen“ gehen. Er sucht nach den eingetippten Preisen die Waren aus
und packt sie in seine Tasche. Zur Tarnung wird noch ein zusätzliches
kleines Teil gekauft, das er „vorher vergessen hatte“. An der Kasse wird
nur noch das neue Teil bezahlt und der Kassenbon als Legitimation für
die anderen Waren vorgelegt.
9.„Ineinanderpacken“
Hohlkörper, wie gekaufte Abfalleimer oder Plastikkörbe werden mit
gestohlener Ware aufgefüllt. Dieser Trick wird auch häufig bei Taschen
angewandt. Hier ist die Aufmerksamkeit der Kassenmitarbeiter besonders
gefordert.
10. Der „Schwangerschaftstrick"
Weibliche Ladendiebe täuschen manchmal eine Schwangerschaft vor, um
unter dem weiten Umstandskleid alle möglichen Waren zu verstecken.
Einzige Möglichkeit bei begründeten Verdacht: Die Person in ein Gespräch
verwickeln und zumindest der Person zeigen, dass diese bemerkt worden
ist. Oder mit gezielten Fragen versuchen, herauszufinden, ob die Frau
wirklich schwanger ist, was sicher nicht einfach ist.
11. „Die soziale Tour“
Hierbei hoffen die Täter auf das soziale Empfinden. Die nette junge Frau
mit dem eingegipsten Arm, die Mutter mit dem Kleinkind, der junge Mann
im Rollstuhl, Kinder werden durch das Drehkreuz zum wartenden Vater am
Auto auf den Parkplatz geschickt, die alte Dame, die aus Vergesslichkeit
wieder den Laden verlässt, um ihr Portemonnaie zu holen.
12. „Der Zusatzkauf“
Der Dieb stattet die von ihm ausgewählten Artikel, z.B. elektrische
Geräte, Lampen usw. mit Zusatzartikeln aus, z.B. Glühbirnen oder
Batterien, die im Preis nicht mit enthalten sind. Hierbei sind alle
Kassenmitarbeiter immer wieder zu informieren, welche Zusatzartikel wie
u.a. Batterien oder Glühbirnen in den angebotenen Verkaufsartikeln mit
enthalten sind.
13. Der „Zeitschrift in Zeitschrift-Trick"
Eine z.B. teure Fachzeitschrift oder ein anderer teuerer Artikel (siehe
Foto) wird in eine wesentlich günstigere Zeitschrift gesteckt. Hierbei
ist immer die Aufmerksamkeit der Kassenmitarbeiter gefordert, dieses zu
kontrollieren.
14. Der „Helm-Trick"
Der „Kunde“ kommt mit einem Motorradhelm oder auch einem Fahrradhelm in
das Geschäft und steckt, wenn wer nicht beobachtet wird, Kleinartikel in
den Helm. Herbei ist Aufmerksamkeit geboten, wenn dieser „Kunde“ nicht
auf den ersten Blick als Motorradfahrer oder als Fahrradfahrer zu
erkennen ist (fehlende Motorradjacke usw.).
15. Der „Fenster- Trick"
Manche Geschäfte haben in den Verkaufsräumen Fenster, die bei besonders
warmen Witterungsbedingungen geöffnet werden. Geschickte Ladendiebe
nutzen diese Fenster, wenn sie nicht verschlossen oder vergittert sind,
Waren hinauszuwerfen, die dann ein zweiter Komplize aufnimmt und dann
verschwindet. Tipp: Alle Fenster verschlossen halten oder wenn diese bei
warmer Witterung geöffnet sein müssen oder sollen, vergittern.
16. Der „Umetikettier- Trick"
Häufig lassen unachtsame Mitarbeiter Preisauszeichner im Geschäft
liegen. Dies kann dann leicht von Betrügern genutzt werden, sich die
Preise "selbst zu machen". Die Auszeichner sind heutzutage selbst für
Laien leicht zu benutzen. Tipp: Alle Preisauszeichnungsgeräte in einem
Geschäft sollten immer verschlossen und nur für Verkaufsmitarbeiter
zugänglich sein.
Hans-Günther Lemke
Porta Westfalica |