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Allein im letzten Jahr wurden in Deutschland
Waren im Wert von über 5 Milliarden Euro gestohlen. Dabei werden die
Ladendiebe und Betrüger immer kreativer, professioneller und leider auch
gewalttätiger.
Der Handelsberater Hans-Günther Lemke (www.lemke-training.de), ist als
Berater und Trainer seit 1998 tätig und u.a. auch Anwendungsberater der
Firma ADT Sensormatic Deutschland. Der Beitrag zeigt die häufigsten
Tricks der Diebe auf.
1. Die einfache und gebräuchlichste Methode
Die Ware verschwindet direkt in der
Einkaufstasche, in großen Manteltaschen oder weiten offenen Jacken.
Diese einfache Methode kommt in über 90% der Fälle zum Tragen. Es
betrifft die sogenannten "Gelegenheitsdiebe", die heutzutage wieder
wesentlich mehr geworden sind. Es ist besonders darauf zu achten, wenn
ein Kunde im wärmeren Frühjahr oder sogar im Sommer mit einer dicken
Jacke oder einen Mantel bekleidet, das Geschäft betritt.
2. Der „Alt-gegen-Neu“-Trick
Diese Methode wird häufig in Schuhgeschäften
und Textilfachgeschäften angewendet, wo mit neuen Schuhen an den Füßen
oder mit einer teuren Lederjacke das Geschäft verlassen wird, während
die „alten Treter“ im Regal zurückgelassen werden. Aus diesem Grund
bieten heutzutage schon viele Schuhgeschäfte in den Verkaufsräumen meist
nur noch einen Schuh an (der zweite passende Schuh wird dann von einem
Verkaufsmitarbeiter aus dem Lager geholt). Eine gute, jedoch auch sehr
personalintensive Lösung.
3. Der „Trojanische Pferd“-Trick
Ein wirklich professioneller Trick. Eine
offene, präparierte Handtasche wird auf einen Warenstapel gestellt. Der
Ladendieb täuscht vor, etwas in der Tasche zu suchen. In Wirklichkeit
öffnet er die im Boden der Tasche eingelassene Klappe und zieht die
unter der Tasche befindliche Ware in die Tasche.
4. Der „Präpariertrick“
Neue Ware wird „präpariert“, um den Eindruck
zu erwecken, sie sei bereits ins Geschäft mitgebracht worden. So werden
z.B. eine angebrochene Zigarettenpackung, Schlüsselbund oder
Streichhölzer in den Taschen einer gestohlenen Jacke positioniert.
5. Der „Ablenkungstrick“
Es handelt sich dabei um eine Methode, die
gerne beim Ladendiebstahl durch mehrere Personen angewandt wird. Während
eine Person die Aufmerksamkeit des Verkaufspersonals auf sich lenkt,
begehen in der Zwischenzeit die Komplizen den Ladendiebstahl. Oder: Eine
Person fragt nach dem Artikel, der nicht im Verkaufsraum, sondern im
hinteren Geschäftsbereich bzw. auf Lager vorrätig ist. Dadurch muss das
Verkaufspersonal den Verkaufsraum für eine kurze Zeit unbeaufsichtigt
lassen, um den Artikel zu holen.
6. Der „Sicherungstrick“
Bei mit Steckkontakten (Ruhestromanlagen)
gesicherten Artikeln (z.B. Handys, Unterhaltungselektronik, Pelze etc.)
wird vom Ladendieb an einem Artikel der Kontakt entfernt und Alarm
ausgelöst. Aus sicherer Entfernung beobachtet er, ob das Personal
lediglich den Alarm ausschaltet oder auch die Kontakte kontrolliert.
Falls nur der Alarm vom Mitarbeiter angestellt wurde, ohne zu
überprüfen, ob ein Kontakt an einem Artikel unterbrochen ist, kann die
entsicherte Ware vom Ladendieb entwendet werden.
7. Der „Klaukoffertrick“
Bei diesem Trick gehen Ladendiebe in folgender Weise vor: Ein als
Geschenk präparierter hohler Karton wird in einer Tasche ins Geschäft
mitgebracht. Das Band der Geschenkverpackung umschließt den Karton
augenscheinlich fest. Das Band läuft jedoch keineswegs durchgehend,
sondern verbirgt optisch einen an der Oberseite des Kartons angebrachten
Klappdeckel.
8. Der „Verwirrtrick“
Der Ladendieb verwickelt mehrere Mitarbeiter in ein Verkaufsgespräch und
lenkt somit die Aufmerksamkeit auf sich. Derweil kann ein Komplize im
Geschäft sich als Ladendieb betätigen. Hier ist es unbedingt
erforderlich, dass sich der Verkaufsmitarbeiter sofort Unterstützung
durch einen zusätzlichen Mitarbeiter holt, wenn er "Verdächtiges"
bemerkt oder ein "ungutes" Gefühl hat.
9. „Umpacken“
Diese Methode sei an einem einfachen Beispiel erläutert: An der Kasse
bezahlt der Kunde eine Flasche Badezusatz. Im "Umkarton" befindet sich
jedoch nicht die Flasche Badezusatz sondern der teure Cognac. Dieser
Trick wird besonders häufig im Spirituosenbereich angewandt. Deshalb ist
empfehlenswert, Spirituosen ohne den Geschenkkarton zu verkaufen und auf
Wunsch den Kunden gesondert auszuhändigen. Dasselbe gilt auch für
hochwertiges Parfüm.
10. Der „Kinderwagentrick“
Ein Kinderwagen ermöglicht es, eine große Anzahl gestohlener Ware zu
entwenden. Die Ausrede des Ladendiebs bei Überführung „das muss der
Kleine wohl eingesteckt haben“ erschwert die Beweislage, da
Minderjährige nicht strafbar sind. Hier gilt es, die ertappte Mutter
oder den ertappten Vater deutlich auf Folgen eines Diebstahls oder
dessen Versuch aufmerksam zu machen. Die Personalien sollten auf jeden
Fall vermerkt werden.
11. „Gebrauchte Kassenbons“
Häufig ist gerade im Lebensmittelbereich festzustellen, dass Kunden ihre
Bons an der Kasse liegen lassen. Mit einem solchen Bon kann ein
Ladendieb „einkaufen“ gehen. Er sucht nach den eingetippten Preisen die
Waren aus und packt sie in seine Tasche. Zur Tarnung wird noch ein
zusätzliches kleines Teil gekauft, das er „vorher vergessen hatte“. An
der Kasse wird nur noch das neue Teil bezahlt und der Kassenbon als
Legitimation für die anderen Waren vorgelegt.
12. „Ineinanderpacken“
Hohlkörper, wie gekaufte Abfalleimer, Plastikkörbe oder Kochtöpfe,
werden mit gestohlener Ware aufgefüllt. Dieser Trick wird auch häufig
bei Lederwaren, z.B. Taschen oder Portemonnaies angewandt. Hier ist die
Aufmerksamkeit der Kassenmitarbeiter besonders gefordert.
13. Der „Zwiebeltrick“
Diese Methode wird häufig im Textilbereich angewendet. Sie bezieht sich
auf das Übereinanderziehen von mehreren Textilien in der Umkleidekabine.
Etiketten werden in Hohlräumen, z.B. hinter dem Spiegel, „entsorgt“. Die
Praxis zeigt, dass Umkleidekabinen in Textilgeschäften zu den
bevorzugtesten „Tatorten“ von Ladendieben gehören. Da die meisten
Betrügereien und Diebstähle in Kaufhäusern oder im Textilfachhandel in
der Umkleidekabine passieren, ist es immer wieder notwendig, alle
Verkaufsmitarbeiter zu sensibilisieren, diesen Bereich mehrmals am Tag
auf Etiketten oder leere Bügel zu kontrollieren.
Tipps für Umkleidekabinen
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Umkleidekabinen immer, wenn baulich
möglich, zentral anlegen und an einer für die Verkaufsmitarbeiter
übersehbaren Stelle im Geschäft
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Wenn möglich, Klapptüren- keine zu
langen Vorhänge- Mögliche Ladendiebe fühlen sich gestört, wenn
Kabineninnenbereiche leicht einsehbar sind
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Nur die Kabinen geöffnet lassen, die für
den Geschäftsbetrieb notwendig sind
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Spiegel dicht an der Wand befestigen, so
dass keine Etiketten dahinter versteckt werden können- evtl. mit
Silikon abdichten
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Ablageflächen abschrägen- machen Sie es
dem möglichen Ladendieb so schwer wie möglich, Ware abzulegen
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Der Fußbereich sollte immer einsehbar
sein- evtl. bei Vorhängen diese kürzen
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Ist ein Stuhl oder Hocker wirklich
notwendig?
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Textilien nicht zu nahe an den Kabinen
platzieren
14. „Aufeinanderpacken“
Ein Beispiel aus der Lebensmittelbranche verdeutlicht diese Methode:
Neben den Waren, die im Einkaufswagen sind, befindet sich auf der
unteren Abstellfläche z.B. ein sperriger, schwerer Getränkekasten.
Aufgrund des Gewichts wird der Kasten beim Kassiervorgang i.d.R. nicht
aufs Band gestellt. Somit entgehen der Kassiererin beispielsweise die
unter dem Kasten flach liegenden Zeitschriften.
Auch möglich: Eine teure Spirituose wird im Getränkekasten mit einer
günstigen Limonadenflasche getauscht.
15. Der Schwangerschaftstrick"
Weibliche Ladendiebe täuschen manchmal eine Schwangerschaft vor, um
unter dem weiten Umstandskleid alle möglichen Waren zu verstecken.
Einzige Möglichkeit bei begründeten Verdacht: Die Person in ein Gespräch
verwickeln und zumindest der Person zeigen, dass diese bemerkt worden
ist. Oder mit gezielten Fragen versuchen, herauszufinden, ob die Frau
wirklich schwanger ist, was sicher nicht einfach ist.
16. "Die soziale Tour"
Hierbei hoffen die Täter auf das soziale Empfinden. Die nette junge Frau
mit dem eingegipsten Arm, die Mutter mit dem Kleinkind, der junge Mann
im Rollstuhl, Kinder werden durch das Drehkreuz zum wartenden Vater am
Auto auf den Parkplatz geschickt, die alte Dame, die aus Vergesslichkeit
wieder den Laden verlässt, um ihr Portemonnaie zu holen.
17. "Der Zusatzkauf"
Der Dieb stattet die von ihm ausgewählten Artikel, z.B. Hifi-Geräte,
Lampen usw. mit Zusatzartikeln aus, z.B. Glühbirnen oder Batterien, die
im Preis nicht mit enthalten sind. Hierbei sind alle Kassenmitarbeiter
immer wieder zu informieren, welche Zusatzartikel wie u.a. Batterien
oder Glühbirnen in den angebotenen Verkaufsartikeln mit enthalten sind.
18. Der "Zeitschrift in Zeitschrift-Trick"
Eine z.B. teure Computerzeitschrift oder ein anderer teuerer Artikel
(siehe Foto) wird in eine wesentlich günstigere Zeitschrift gesteckt.
Hierbei ist immer die Aufmerksamkeit der Kassenmitarbeiter gefordert,
dieses zu kontrollieren.
19. Der "neue" Taschentrick
Die mitgebrachten Taschen ( Handtaschen, Reisetaschen) sind mit Alufolie
ausgekleidet, so dass das Alarmsystem nicht reagiert.
20. Der "Helm- Trick"
Der "Kunde" kommt mit einem Motorradhelm oder auch einem Fahrradhelm in
das Geschäft und steckt, wenn wer nicht beobachtet wird, Kleinartikel in
den Helm. Herbei ist Aufmerksamkeit geboten, wenn dieser "Kunde" nicht
auf den ersten Blick als Motorradfahrer oder als Fahrradfahrer zu
erkennen ist ( fehlende Motorradjacke usw.).
21. Der "Deponier- Trick"
Häufig bei Textilwaren. Meist zwei Personen. Eine Person nimmt zwei oder
mehrere Teile in die Kabine und lässt bewusst ein Teil zurück. Die
zweite Person nimmt offensichtlich ein Teil in dieselbe Kabine. Das
deponierte Teil steckt sie ein oder zieht es unter ihre eigene Kleidung.
22. Der "Nummernziffertrick" im Textilfachhandel
Kunde 1 wählt zwei Hosen aus, erhält die Karte mit Ziffer 2.
Kunde 2 hat drei Hosen und erhält die Ziffer 3.
Die beiden Kunden tauschen ihre Karten. Der Kunde mit Ziffer 2 zieht
eine Hose an und geht mit der Karte und zwei Hosen zum Verkäufer und
gibt die Karte zurück.
23. Der "Fenster- Trick"
Manche Geschäfte oder Kaufhäuser haben in den Verkaufsräumen Fenster,
die bei besonders warmen Witterungsbedingungen geöffnet werden.
Geschickte Ladendiebe nutzen diese Fenster, wenn sie nicht verschlossen
oder vergittert sind, Waren hinauszuwerfen, die dann ein zweiter
Komplize aufnimmt und dann verschwindet.
Tipp: Alle Fenster verschlossen halten oder wenn diese bei warmer
Witterung geöffnet sein müssen oder sollen, vergittern.
24. Der "Umetikettier- Trick"
Häufig lassen unachtsame Mitarbeiter Preisauszeichner im Geschäft
liegen. Dies kann dann leicht von Betrügern genutzt werden, sich die
Preise "selbst zu machen". Die Auszeichner sind heutzutage selbst für
Laien leicht zu benutzen.
Alle Preisauszeichnungsgeräte in einem Geschäft sollten immer
verschlossen und nur für Verkaufsmitarbeiter zugänglich sein.
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