Pressespiegel


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Pressebericht aus:
Sicherheitsforum - Schweizer Fachzeitschrift
7/2006 - 03.07.2006

Vorbeugen ist billiger
Vorbeugen gegen Mitarbeiterdelikte
 

 

Die Themen "Ladendiebstahl" und "Inventurdifferenzen" sind aktueller denn je. Neben den neueren Verlustbereichen wie Falschgeld, EC-Kartenbetrug, organisierter Diebstahl, die es zu "bekämpfen" gilt, gehört nach wie vor auch der korrekte Umgang und die Vorbeugung bei Mitarbeiterdelikten.

 

Über das Thema "Mitarbeiterdiebstahl" wird auch noch im Handel nur ungern gesprochen. Dabei belegen und beweisen viele Untersuchungen in Einzelhandelsunternehmen eindeutig und übereinstimmend folgende Ergebnisse:

  • 40 bis 50 Prozent der Inventurdifferenzen im Handel entstehen durch eigene Mitarbeiter und Aushilfspersonal.

  • Die Hälfte der internen Verluste entsteht im Kassenbereich.

  • Ein unkorrekter Mitarbeiter richtet im Durchschnitt zehn Mal soviel Schaden an wie ein Ladendieb.

Es ist auch nicht so leicht, einen Mitarbeiter des Diebstahls zu überführen. Meist geschieht dies nur mit speziellen Überwachungsmaßnahmen, wobei vorher die Zustimmung des Betriebsrates eingeholt werden muss.

 

Auch ist es immer noch eine Seltenheit, dass ein Mitarbeiter einen anderen "anzeigt", wenn dieser unehrlich war. Dabei geht es um die Existenz eines jeden in einem Betrieb oder Geschäft.

 

Abgesehen von dem Betriebsklima, was erheblich belastet werden kann.

 

Warum passieren Mitarbeiterdelikte?

 

Natürlich ist es selten so, dass ein Mitarbeiter mit dem Vorsatz unehrlich zu sein oder den "Chef" zu betrügen, seine Tätigkeit aufnimmt. Vielmehr werden auch vom Vorgesetzten Fehler im Umgang und Verhalten mit dem Mitarbeiter gemacht.

 

Die häufigsten Fehler der Vorgesetzten:

  • Der Mitarbeiter hat ein fehlendes Unrechtsbewusstsein und meint, in den Verkaufspreisen sei alles mit einkalkuliert. Dem Mitarbeiter fehlen Informationen, wie die Verkaufskalkulation aussieht.

  • Auch ein schlechtes Betriebsklima kann zur Unehrlichkeit von Mitarbeitern führen. Motto: "Dem Chef" wische ich eins aus."

  • Soziale Probleme wie z. B. Überschuldung, Alkoholmissbrauch oder auch kriminelle Veranlagungen bei Mitarbeitern führen häufig zu Delikten. Es sollte ein Grundsatz für jede Führungskraft sein, sich mit den Problemen seiner Mitarbeiter ausführlich zu beschäftigen und wenn möglich immer Hilfe anzubieten.

  • Auch ein Missmanagement des Betriebes kann zur Unehrlichkeit verleiten. Wenn trotz höherer Inventurverluste keine Maßnahmen eingeführt werden, vermehrt Mitarbeiterdelikte ausschließen (z.B. Personalkontrollen am Ausgang, Taschenkontrollen usw.) braucht sich nicht zu wundern, wenn Gelegenheit Diebe macht.

Die meisten Manipulationen und "Unehrlichkeiten" passieren an der Kasse. Der Schaden durch Kassenmanipulationen wird schon heute auf 0,2 bis 0,6% vom Einzelhandelsumsatz geschätzt.

 

Deshalb ist es für jeden Marktleiter, Geschäftsführer oder Inhaber unerlässlich, diesem Bereich eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

 

Die Hauptbetrügereien an der Kasse:

  • Das falsche Eintippen von Beträgen, z.B. 2,25 Franken statt 22,50 Franken.

  • Das Arbeiten mit offener Kassenschublade

  • Das Gewähren von unberechtigten Rabatten an Dritte.

  • Komplizenschaft zwischen dem Kassenmitarbeiter und einem Kunden, Verwandten oder Bekannten

  • Falsche Leergutbuchungen (im Lebensmittelhandel)

  • Sofortstornos

  • Preisüberschreibungen bei Wettbewerberpreisangleich

  • Umbuchungen

Ein interessanter Fall vom April 2003 aus der Lebensmittelpraxis:

 

Eine Kassiererin aus der Region Oldenburg hatte mit einer Bekannten Waren im Wert von 15.000 Euro innerhalb eines Jahres durch die Kasse eines Verbrauchermarktes geschleust. Die Komplizin kam als Kundin und lud Waren auf das Kassenband, die von der Kassiererin nur teilweise abgerechnet wurden. Urteil: 1 Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung und Geldstrafe.

 

Um solche Fälle zu vermeiden, ist es wichtiger Maßnahmen zur Vorbeugung zu treffen. Dies können u.a. sein:

  • Regelmäßige Kassenkontrollen, auch Kassenstürze genannt, ohne Vorankündigung

  • Personalfluktuation gering halten- schon in den Einstellungsgesprächen sorgfältig sein und prüfen, welche Einstellung hat der mögliche neue Mitarbeiter und wie ist sein Lebensstandard bisher und welche Ansprüche hat er.

  • Regelmäßige Schulungen im Geschäft über alle Themen der Diebstahlvorbeugung und des richtigen Kassiervorgangs

  • Motivation der Mitarbeiter- auch demotivierte Mitarbeiter neigen eher dazu, nicht immer ehrlich zu sein. Nicht mit Lob sparen, wenn ein Mitarbeiter etwas gut gemacht hat

  • Prämien oder Vergünstigungen für die Mitarbeiter. Lassen Sie sich etwas einfallen, wenn Sie die Inventurdifferenzen verringern wollen. Oft hilft eine kleine Prämie als Anreiz für den Mitarbeiter, mehr auf Ladendiebe zu achten.

  • Information der betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge eines Geschäfts. Erläutern Sie ihren Mitarbeitern, was eine Inventurdifferenz für die Ertragslage oder den Gewinn bedeutet.

Hinweis: Wenn alles nichts hilft, gibt es heutzutage auch schon technische Möglichkeiten durch Bondatenanalysen, Fehler oder Missbrauch an der Kasse aufzudecken. Der Einsatz einer Kassensoftware ist jedoch nur mit einer entsprechenden Betriebsvereinbarung, die Mitarbeiter müssen darüber informiert sein und ist natürlich mit nicht unerheblichen Kosten verbunden.

 

Deshalb: Vorbeugung ist besser und billiger!

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Hans-Günther Lemke
Training für Führung und Verkauf
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