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Jährlich werden in Deutschland Waren im Wert
von über 4 Milliarden Euro gestohlen. Der Handelsberater Hans-Günther
Lemke zeigt in der dreiteiligen zza-Artikelserie die Grundlinien einer
erfolgreichen Diebstahlverhütung auf.
In der letzten zza-Ausgabe berichteten wir,
aus welchen sozialen Schichten und Altersgruppen die Ladendiebe und
Betrüger stammen und welche Chancen es überhaupt gibt, einen „möglichen“
Ladendieb zu erkennen und wie sich dabei korrekt zu verhalten ist.
Im diesem zweiten Teil werden die häufigsten
„Tricks“ der Diebe und Betrüger dargestellt.
1. Die einfache und gebräuchlichste
Methode
Die Ware verschwindet direkt in der
Einkaufstasche, in großen Manteltaschen oder auch in weiten offenen
Jacken. Diese einfache Methode kommt in über 90% der Fälle zum Tragen.
Es betrifft die so genannten "Gelegenheitsdiebe", die heutzutage wieder
wesentlich mehr geworden sind.
Es ist besonders darauf zu achten, wenn ein Kunde im wärmeren Frühjahr
oder sogar im Sommer mit einer dicken Jacke oder einen Mantel bekleidet,
das Geschäft betritt.
2. Der „Trojanische Pferd-Trick
Ein wirklich professioneller Trick. Eine
offene, präparierte Handtasche wird auf einen Warenstapel gestellt. Der
Ladendieb täuscht vor, etwas in der Tasche zu suchen. In Wirklichkeit
öffnet er die im Boden der Tasche eingelassene Klappe und zieht die
unter der Tasche befindliche Ware in die Tasche.
3. Der „Ablenkungstrick“
Es handelt sich dabei um eine Methode, die gerne beim Ladendiebstahl
durch mehrere Personen angewandt wird. Während eine Person die
Aufmerksamkeit des Verkaufspersonals auf sich lenkt, begehen in der
Zwischenzeit die Komplizen den Ladendiebstahl. Oder: Eine Person fragt
nach dem Artikel, der nicht im Verkaufsraum, sondern im hinteren
Geschäftsbereich bzw. auf Lager vorrätig ist. Dadurch muss das
Verkaufspersonal den Verkaufsraum für eine kurze Zeit unbeaufsichtigt
lassen, um den Artikel zu holen.
4. Der „Klaukoffertrick“
Bei diesem Trick gehen Ladendiebe in folgender Weise vor: Ein als
Geschenk präparierter hohler Karton wird in einer Tasche ins Geschäft
mitgebracht. Das Band der Geschenkverpackung umschließt den Karton
augenscheinlich fest. Das Band läuft jedoch keineswegs durchgehend,
sondern verbirgt optisch einen an der Oberseite des Kartons angebrachten
Klappdeckel.
5. Der „Verwirrtrick“
Der Ladendieb verwickelt mehrere Mitarbeiter in ein Verkaufsgespräch und
lenkt somit die Aufmerksamkeit auf sich. Derweil kann ein Komplize im
Geschäft sich als Ladendieb betätigen. Hier ist es unbedingt
erforderlich, dass sich der Verkaufsmitarbeiter sofort Unterstützung
durch einen zusätzlichen Mitarbeiter holt, wenn er "Verdächtiges"
bemerkt oder ein "ungutes" Gefühl hat.
6. „Umpacken“
Diese Methode sei an einem einfachen Beispiel erläutert: An der Kasse
bezahlt der Kunde ein Hundeschergerät für z.B. 30 Euro. Im "Umkarton"
befindet sich jedoch ein wesentlich teueres Gerät für z.B. 80 Euro.
Dieser Trick wird auch bei vielen anderen Waren, die im Karton verkauft
werden angewandt.
7.„Gebrauchte Kassenbons“
Häufig ist festzustellen, dass Kunden ihre Bons an der Kasse liegen
lassen. Mit einem solchen Bon kann ein Ladendieb „einkaufen“ gehen. Er
sucht nach den eingetippten Preisen die Waren aus und packt sie in seine
Tasche. Zur Tarnung wird noch ein zusätzliches kleines Teil gekauft, das
er „vorher vergessen hatte“. An der Kasse wird nur noch das neue Teil
bezahlt und der Kassenbon als Legitimation für die anderen Waren
vorgelegt.
8 „Ineinanderpacken“
Hohlkörper, wie gekaufte Hundenäpfe oder andere Plastikwaren z.B. werden
mit gestohlener Ware aufgefüllt. Hier ist die Aufmerksamkeit der
Kassenmitarbeiter besonders gefordert.
9. „Aufeinanderpacken“
Ein Beispiel verdeutlicht diese Methode: Neben den Waren, die im
Einkaufswagen sind, befindet sich auf der unteren Abstellfläche z.B. ein
großer Beutel Katzenstreu. Aufgrund des Gewichts wird das Streu beim
Kassiervorgang nicht auf den Kassentisch gelegt. Somit entgehen der
Kassiererin beispielsweise die unter dem Kasten flach liegenden
Fachzeitschriften.
10. "Die soziale Tour"
Hierbei hoffen die Täter auf das soziale Empfinden. Die nette junge Frau
mit dem eingegipsten Arm, die Mutter mit dem Kleinkind, der junge Mann
im Rollstuhl, Kinder werden durch das Drehkreuz zum wartenden Vater am
Auto auf den Parkplatz geschickt, die alte Dame, die aus Vergesslichkeit
wieder den Laden verlässt, um ihr Portemonnaie zu holen.
11. "Der Zusatzkauf"
Der Dieb stattet die von ihm ausgewählten Artikel, z.B. Elektrogeräte
mit Zusatzartikeln aus, z.B. Batterien, die im Preis nicht mit enthalten
sind.
Hierbei sind alle Kassenmitarbeiter immer wieder zu informieren, welche
Zusatzartikel in den angebotenen Verkaufsartikeln mit enthalten sind.
12. Der "Zeitschrift in Zeitschrift-Trick"
Eine z.B. teure Fachzeitschrift wird in eine wesentlich günstigere
Zeitschrift gesteckt. Hierbei ist immer die Aufmerksamkeit der
Kassenmitarbeiter gefordert, dieses zu kontrollieren.
Auch ein beliebter Trick, um gestohlene Grußkarten zu „verstecken“.
13. Der "Helm- Trick"
Der "Kunde" kommt mit einem Motorradhelm oder auch einem Fahrradhelm in
das Geschäft und steckt, wenn wer nicht beobachtet wird, Kleinartikel
wie z.B. Vitaminpräparate für Tier (ein besonders beliebter
Diebstahlsartikel) in den Helm. Herbei ist Aufmerksamkeit geboten, wenn
dieser "Kunde" nicht auf den ersten Blick als Motorradfahrer oder als
Fahrradfahrer zu erkennen ist ( fehlende Motorradjacke usw.).
14. Der "Fenster- Trick"
Manche Geschäfte haben in den Verkaufsräumen Fenster, die bei besonders
warmen Witterungsbedingungen geöffnet werden. Geschickte Ladendiebe
nutzen diese Fenster, wenn sie nicht verschlossen oder vergittert sind,
Waren hinauszuwerfen, die dann ein zweiter Komplize aufnimmt und dann
verschwindet.
Tipp: Alle Fenster verschlossen halten oder wenn diese bei warmer
Witterung geöffnet sein müssen oder sollen, vergittern.
15. Der "Umetikettier- Trick"
Häufig lassen unachtsame Mitarbeiter Preisauszeichner im Geschäft
liegen. Dies kann dann leicht von Betrügern genutzt werden, sich die
Preise "selbst zu machen". Die Auszeichner sind heutzutage selbst für
Laien leicht zu benutzen. Alle Preisauszeichnungsgeräte in einem
Geschäft sollten immer verschlossen und nur für Verkaufsmitarbeiter
zugänglich sein. Wichtig ist, dass alle Mitarbeiter regelmäßig immer
wieder über die häufigsten Tricks der Diebe und Betrüger aufmerksam
gemacht werden.
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