Pressespiegel


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Pressebericht aus:
WiK - Die Zeitschrift für Sicherheit in der Wirtschaft
Oktober 2005

Einzelhandel: Die tollsten Tricks der Ladendiebe
 

Allein im letzten Jahr wurden über 500.000 Ladendiebstähle zur Anzeige gebracht. Dies bedeutete einen Verlust für die Unternehmen von rund 4,2 Milliarden Euro. Die Diebe werden immer dreister - der Beitrag beschreibt die „beliebtesten“ Methoden.

 

Über unseren Autor: Hans-Günther Lemke hat 20jährige Führungserfahrung im Einzelhandel, ist selbständiger Berater und Buchautor und berät seit Jahren viele Unternehmen im Einzel- und Fachhandel in allen Fragen der Sicherheit und Diebstahlverhütung. Ein Schwerpunkt ist auch die Durchführung von Testkäufen. Kontakt: www.lemke-training.de

 

Die "tollsten" Tricks der Ladendiebe

 

Um Ladendiebstahl entgegen zu wirken, müssen die Mitarbeiter im Verkauf mehr denn je sensibilisiert und ebenso professionell ausgebildet sein wie manch ein Dieb. Ansonsten hat ein Unternehmen keine Chance den oft ausgefallenen Tricks auf die Schliche zu kommen.

 

Die gebräuchlichste Methode

Die Ware verschwindet direkt in der Einkaufstasche, in großen Manteltaschen oder in weiten offenen Jacken. Diese einfache Methode kommt in über 90% der Fälle zum Einsatz. Meist wird sie von so genannten "Gelegenheitsdieben" angewandt, die heutzutage wieder wesentlich häufiger zu beobachten sind. Es ist besonders verdächtig, wenn ein Kunde im Frühjahr oder gar im Sommer mit einer dicken Jacke oder einem Mantel bekleidet das Geschäft betritt.

 

Der „Alt-gegen-Neu“-Trick

Diese Methode wird häufig in Schuhgeschäften und Textilfachgeschäften angewandt. Mit neuen Schuhen an den Füßen oder mit einer teuren Lederjacke um die Schultern verlassen die „Kunden“ das Geschäft, während etwa die „alten Treter“ im Regal zurückgelassen werden. Aus diesem Grund bieten heute schon viele Schuhgeschäfte in den Verkaufsräumen meist nur noch einen Schuh an (der zweite passende Schuh wird dann von einem Verkaufsmitarbeiter aus dem Lager geholt). Eine gute, jedoch auch sehr personalintensive Lösung.

 

Der „Trojanische Pferd“-Trick

Hier handelt es sich um einen wirklich professioneller Trick. Eine offene, präparierte Handtasche wird auf einen Warenstapel gestellt. Der Ladendieb täuscht dann vor, etwas in der Tasche zu suchen. In Wirklichkeit öffnet er die im Boden der Tasche eingelassene Klappe und zieht die unter der Tasche befindliche Ware hinein.

 

Der „Präpariertrick“

Neue Ware wird so „präpariert“, dass der Eindruck erweckt wird, sie sei bereits ins Geschäft mitgebracht worden. So werden zum Beispiel .eine angebrochene Zigarettenpackung, ein Schlüsselbund und vielleicht auch Streichhölzer in den Taschen einer neuen gestohlenen Jacke positioniert.

 

Der „Ablenkungstrick“

Es handelt sich dabei um eine Methode, die gerne beim Ladendiebstahl durch mehrere Personen angewandt wird. Während eine Person die Aufmerksamkeit des Verkaufspersonals auf sich lenkt, begehen in der Zwischenzeit die Komplizen den Ladendiebstahl. Oder: Eine Person fragt nach dem Artikel, der nicht im Verkaufsraum, sondern im hinteren Geschäftsbereich oder nur auf Lager vorrätig ist. Dadurch muss das Verkaufspersonal den Verkaufsraum für eine kurze Zeit unbeaufsichtigt lassen.

 

Der „Sicherungstrick“

Bei mit Steckkontakten (Ruhestromanlagen) gesicherten Artikeln (etwa Handys oder Unterhaltungselektronik und Pelze) wird vom Ladendieb an einem Artikel der Kontakt entfernt und Alarm ausgelöst. Aus sicherer Entfernung beobachtet er, ob das Personal lediglich den Alarm ausschaltet oder auch die Kontakte kontrolliert. Falls nur der Alarm vom Mitarbeiter angestellt wurde ohne zu überprüfen, ob ein Kontakt an einem Artikel unterbrochen ist, kann die entsicherte Ware vom Ladendieb entwendet werden.

 

Der „Klaukoffertrick“

Bei diesem Trick gehen Diebe in folgender Weise vor: Ein als Geschenk präparierter hohler Karton wird in einer Tasche ins Geschäft mitgebracht. Das Band der Geschenkverpackung umschließt den Karton augenscheinlich fest. Das Band läuft jedoch keineswegs durchgehend, sondern verbirgt optisch einen an der Oberseite des Kartons angebrachten Klappdeckel.

 

Der „Verwirrtrick“

Der Ladendieb verwickelt mehrere Mitarbeiter in ein Verkaufsgespräch und lenkt somit die Aufmerksamkeit auf sich. Derweil kann ein Komplize im Geschäft sich als Ladendieb betätigen. Hier ist es unbedingt erforderlich, dass sich der Verkaufsmitarbeiter sofort Unterstützung durch einen zusätzlichen Mitarbeiter holt, wenn er "Verdächtiges" bemerkt oder ein "ungutes" Gefühl hat.

 

„Umpacken“

Diese Methode ist an einem einfachen Beispiel erläutert: An der Kasse bezahlt der Kunde eine Flasche Badezusatz. Im Umkarton befindet sich jedoch nicht die Original-Flasche sondern ein teurer Cognac. Dieser Trick wird besonders häufig im Spirituosenbereich angewandt. Deshalb ist empfehlenswert Spirituosen ohne den Geschenkkarton zu verkaufen oder nur auf Wunsch des Kunden diesen gesondert auszuhändigen. Gleiches gilt auch für hochwertiges Parfüm.

 

Der „Kinderwagentrick“

Ein Kinderwagen ermöglicht es, eine große Anzahl gestohlener Ware zu entwenden. Die Ausrede des Ladendiebs bei Überführung („das muss der Kleine wohl eingesteckt haben“) erschwert die Beweislage, da Minderjährige bis 14 Jahre nicht strafbar sind. Hier gilt es, die ertappten „Eltern“ deutlich auf Folgen eines Diebstahls oder dessen Versuch aufmerksam zu machen. Die Personalien sollten auf jeden Fall vermerkt werden.

 

„Gebrauchte Kassenbons“

Häufig ist gerade im Lebensmittelbereich festzustellen, dass Kunden ihre Bons an der Kasse liegen lassen. Mit einem solchen Bon kann ein Ladendieb „einkaufen“ gehen. Er sucht nach den eingetippten Preisen die Waren aus und packt sie in seine Tasche. Zur Tarnung wird noch ein zusätzliches kleines Teil gekauft, das er „vorher vergessen hatte“. An der Kasse wird nur noch das neue Teil bezahlt und der Kassenbon als Legitimation für die anderen Waren vorgelegt.

 

„Ineinanderpacken“

Hohlkörper, wie gekaufte Abfalleimer, Plastikkörbe oder Kochtöpfe, werden mit gestohlener Ware aufgefüllt. Dieser Trick wird auch häufig bei Lederwaren wie Taschen oder Portemonnaies angewandt. Hier ist die Aufmerksamkeit der Kassenmitarbeiter besonders gefordert.

 

Der „Zwiebeltrick“

Diese Methode wird häufig im Textilbereich angewendet. Sie bezieht sich auf das Übereinanderziehen von mehreren Textilien in der Umkleidekabine. „Überflüssige“ Etiketten werden in Hohlräumen, etwa hinter dem Spiegel, „entsorgt“. Die Praxis zeigt, dass Umkleidekabinen in Textilgeschäften zu den bevorzugten „Tatorten“ von Ladendieben gehören. Da die meisten Betrügereien und Diebstähle in Kaufhäusern oder im Textilfachhandel in der Umkleidekabine passieren, ist es immer wieder notwendig, alle Verkaufsmitarbeiter zu sensibilisieren, diesen Bereich mehrmals am Tag auf Etiketten oder leere Bügel zu kontrollieren.

 

„Aufeinanderpacken“

Ein Beispiel aus der Lebensmittelbranche verdeutlicht diese Methode: Neben den Waren, die im Einkaufswagen sind, befindet sich auf der unteren Abstellfläche zum Beispiel ein sperriger, schwerer Getränkekasten. Aufgrund des Gewichts wird der Kasten beim Kassiervorgang in der Regel nicht aufs Band gestellt. Somit entgehen der Kassiererin beispielsweise unter dem Kasten flach liegenden Zeitschriften. Auch möglich: Eine teure Spirituose wird im Getränkekasten mit einer günstigen Limonadenflasche getauscht.

 

Der „Schwangerschaftstrick"

Weibliche Ladendiebe täuschen manchmal eine Schwangerschaft vor, um unter dem weiten Umstandskleid alle möglichen Waren zu verstecken. Einzige Möglichkeit die Diebin bei begründetem Verdacht zu entlarven, ist diese Person in ein Gespräch zu verwickeln und ihr so zumindest zu zeigen, dass sie bemerkt worden ist. Es könnte auch versucht werden mit gezielten Fragen herauszufinden, ob die Frau tatsächlich schwanger ist – ein häufig wenig aussichtsreiches verfahren.

 

Die soziale Tour

Hierbei hoffen die Täter auf das soziale Mitgefühl. Doch wer ist die „nette junge Frau“ mit dem eingegipsten Arm, die Mutter mit dem Kleinkind und der junge Mann im Rollstuhl? Oft werden auch Kinder durch das Drehkreuz zum wartenden Vater am Auto geschickt und auch die „alte Dame“, die aus Vergesslichkeit wieder den Laden verlässt, um ihr Portemonnaie zu holen, könnte Böses im Schilde führen.

 

Der Zusatzkauf

Der Dieb stattet die von ihm ausgewählten Artikel, etwa Hifi-Geräte oder Lampen mit Zusatzartikeln aus – zum Beispiel Glühbirnen oder Batterien, die im Preis nicht mit enthalten sind. Hier sind die Kassenmitarbeiter immer wieder zu informieren, welche Zusatzartikel in den angebotenen Verkaufsartikeln mit enthalten sind.

 

Der „Zeitschrift-in-Zeitschrift-Trick“

Eine teure Computerzeitschrift oder ein anderer teuerer Artikel wird in eine wesentlich günstigere Zeitschrift gesteckt. Hierbei ist immer die Aufmerksamkeit der Kassenmitarbeiter gefordert, dieses zu kontrollieren.

 

Der „neue“ Taschentrick

Die mitgebrachten Taschen (Handtaschen, Reisetaschen) sind mit Aluminium-Folie ausgekleidet, so dass das Alarmsystem nicht reagiert.

 

Der „Helm-Trick“

Der "Kunde" kommt mit einem Motorradhelm oder auch einem Fahrradhelm in das Geschäft und steckt Kleinartikel in diesen Helm. Aufmerksamkeit ist vor allem geboten, wenn dieser "Kunde" nicht auf den ersten Blick als Motorradfahrer oder als Fahrradfahrer zu erkennen ist (fehlende Motorradjacke).

 

Der „Deponier-Trick“

Häufig wird dieser Trick bei Textilwaren mit meist zwei Personen angewandt. Eine Person nimmt zwei oder mehrere Teile in die Kabine und lässt bewusst ein Teil zurück. Die zweite Person trägt offensichtlich ein Teil in dieselbe Kabine. Das dort deponierte Teil steckt sie ein oder zieht es unter ihre eigene Kleidung.

 

Der „Fenster-Trick“

Manche Geschäfte oder Kaufhäuser haben in den Verkaufsräumen Fenster, die bei entsprechenden Witterungsbedingungen geöffnet werden. Geschickte Ladendiebe nutzen diese Fenster, wenn sie nicht verschlossen oder vergittert sind, um Waren hinauszuwerfen, die dann ein zweiter Komplize aufnimmt.

 

Der „Konzessionärs-Trick“

Viele SB-Warenhäuser und Kaufhäuser haben auf den einzelnen Verkaufsetagen Konzessionäre wie etwa Frisöre oder Restaurants. Häufig sind die Eingänge zu diesen Extrabereichen nicht mit einer Alarmschleuse versehen. Dies wird von Ladendieben genutzt, um unbezahlte Ware aus dem Kaufhaus etwa mit in das Restaurant zu nehmen, um dort die gestohlenen Waren zu verstecken.

 

Der Schubladen-Trick

Häufig wird in den Geschäften vom Verkaufspersonal vergessen, Schubladen oder Unterschränke zu verschließen, in denen sich ungesicherte Ware befindet. Vor allem bei hochwertigen Waren (Rasierapparate, Uhren, Lederkleinwaren, Kameras) besteht so ein sehr hohes Diebstahlrisiko.

 

Der „Umetikettier-Trick“

Häufig lassen unachtsame Mitarbeiter Preisauszeichner im Geschäft liegen. Dies kann dann leicht von Betrügern genutzt werden, sich die Preise "selbst zu machen". Die Auszeichner sind heutzutage selbst für Laien leicht zu benutzen. Alle Preisauszeichnungsgeräte in einem Geschäft sollten daher immer verschlossen und nur für Verkaufsmitarbeiter zugänglich sein.

 

Tipps und Hinweise zur Vorbeugung von Ladendiebstahl gibt das vom Autor erschienene Buch "Erfolgreiche Diebstahlverhütung und mehr Sicherheit im Einzel- und Fachhandel" im VDM Verlag, 119 Seiten, ISBN 3-86550-017-X.
Bestellungen auch direkt beim Autor unter: Lemke-Porta@t-online.de oder unter: www.lemke-training.de

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