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Pressebericht aus:
BÄKO-magazin, 14.04.2005

Achtung, Ladendiebe!
 

Den Geschäften der Backbranche entstehen durch Ladendiebstahl jährlich Millionenschäden- doch was kann man tun?

Handelsberater Hans-Günther Lemke zeigt die Grundlinien einer erfolgreichen Diebstahlverhütung im Bäckereifachgeschäft auf.

Ladendiebe werden heute immer jünger, kreativer und leider auch gewalttätiger, wie das Beispiel aus einer Tageszeitung vom Januar 2004 zeigt: "Beim Überfall auf eine Bäckerei in Neustadt am Rübenberge ist eine Verkäuferin schwer verletzt worden. Der Täter hatte gewartet, bis die Frau allein in der Filiale war und von der Tür abgewandt war. In dem Moment rammte er ihr ein Messer in den Rücken. Die 40jährige brach bewusstlos zusammen. Eine Kundin fand sie wenig später. Der Täter erbeutete Bargeld und Briefmarken von mehreren tausend Euro."

Diebstahl gefährdet Arbeitsplätze

Solche Extremfälle belegen, dass es unerlässlich geworden ist für jeden, der im Verkauf tätig ist, bzw. diesen Bereich verantwortet, sich mit diesem Thema noch mehr als in der Vergangenheit auseinanderzusetzen und auch zu wissen, welches Verhalten korrekt und sinnvoll ist, wenn man damit konfrontiert wird.

Das beste Rezept, um Ladendiebstahl und anderen Betrügereien entgegenzuwirken, ist immer noch der aufmerksame Mitarbeiter. Allein im Jahr 2003 wurden im deutschen Einzelhandel schätzungsweise Waren im Wert von ca. 5 Milliarden EURO gestohlen. Vielfach wird im Handel jedoch erst dann reagiert, wenn die Inventurergebnisse feststehen.

In vielen Fällen ist dies eindeutig zu spät, nämlich dann, wenn die Inventurdifferenz im Verhältnis zum Umsatz zu hoch ist und dadurch Arbeitsplätze und notwendige Betriebsergebnisse gefährdet sind.

Quer durch Altersgruppen und Schichten

Auch kommen Ladendiebe heutzutage aus allen sozialen Schichten, wie die Daten der polizeilichen Kriminalstatistik aus dem Jahr 2003 aufzeigen.

  • 70% Erwachsene 21 Jahre und älter
  • 13% Jugendliche 14-18 Jahre
  • 6% Kinder unter 14 Jahre
  • 11% Heranwachsende 18-21 Jahre

Interessant ist für Geschäftsinhaber auch die Feststellung, dass Ladendiebe in den meisten Fällen "ruhigere" Mittagszeiten und auch häufig die Abendstunden für ihre unlauteren Absichten bevorzugen.

Dies hat auch damit zu tun, dass Verkaufspersonal in der letzten Stunde ihrer Arbeitszeit verständlicherweise nicht mehr so aufmerksam und konzentriert sind, wie die Zeiten davor.

Da Bäckereifachgeschäfte in der Regel nicht die Möglichkeit haben, elektronische Absicherungsanlagen einzusetzen, gilt es besonders, die Verkaufsmitarbeiter noch sensibler für dieses Thema zu machen, so dass diese schon beim Eintreten der Kunden achtsam sind bzw. sein sollten.

Das ist auch deshalb wichtig, da häufig meist die Mitarbeiter hinter der "Theke" stehen und teils auch hochwertige Waren, z.B. u.a. auch Nonfood- Artikel davor im vorderen Ladenbereich platziert sind.

Es ist heutzutage wirklich nicht einfach, einen Ladendieb auf Anhieb zu erkennen, denn es kommt jede Altersgruppe und auch jede Person, egal welcher sozialer Herkunft, in Betracht, einen Diebstahl zu begehen.

Die meisten Ladendiebstähle werden auch heute noch von Gelegenheitsdieben durchgeführt ("Gelegenheit macht Diebe"). Diese Diebe stehlen nicht jeden Tag und sind meist dementsprechend nervös.

Daher besteht eine gute und realistische Chance, die möglichen Diebe anhand ihrer Verhaltensweisen zu erkennen. Bei Personen mit folgenden Verhaltensweisen haben sie es mit großer Wahrscheinlichkeit mit potenziellen Ladendieben zu tun:

  • Kunden, die sich vorsichtig nach allen Seiten umschauen und unauffällig wegschauen
  • Kunden vermeiden möglichst den direkten Augenkontakt und gehen Verkaufsmitarbeitern gezielt beim Näherkommen aus dem Weg
  • Kunden stellen sich so hin, dass sie nicht gesehen oder bemerkt werden können, was sie tun
  • Unruhiges und misstrauisches Beobachten von Käufern und Verkäufern (der ehrliche Kunde interessiert sich für die Ware und nicht für sein Umfeld)
    - Häufig erkennbar bei Frauen: Rötungen im Hals und Dekolletebereich
    - Bei Männern: Rötungen auf Stirn und auf den Schläfen
  • Kunden kommen oft an dieselbe Verkaufsstelle oder zur selben Warengruppe zurück, kaufen jedoch nichts, sondern halten sich auffällig lange im bestimmten Bereich auf
  • Kunden öffnen und schlissen häufiger als normal üblich ihre Mantel- oder Jackentaschen. Hier könnte es möglich sein, dass Ware versteckt wird.
  • Langes, eingehendes Betrachten der Ware und Interesse für die unterschiedlichsten Artikel, die in die Hand genommen werden, häufig aber auch wieder zurückgelegt werden. Sinn und Zweck ist das Warten auf eine günstige Gelegenheit, die Ware zu "verstecken".
  • Kunden platzieren offen und häufiger ihre Taschen auf der Ware im Verkaufsraum und suchen demonstrativ Autoschlüssel oder Sonstiges.

Vorsicht bei Ablenkungsmanövern!

Wirken bei einem Diebstahl mehrere Personen zusammen, kann häufig folgendes Verhalten beobachtet werden:

  • Der Versuch, sich gegenseitig abzuschirmen, so dass von einem Verkaufsmitarbeiter nicht erkannt werden kann, was "vor sich geht".
  • Mindestens eine der Personen hat die Aufgabe, das Verkaufspersonal abzulenken.
  • Benutzung von Hilfsmitteln (z.B. präparierte Taschen, Mäntel mit tiefen Taschen, Kinderwagen).
  • Mehrere Kunden geben sich z.B. Zeichen auf bestimmte Waren oder auf bestimmte Ladenecken oder Türen (möglicher Fluchtweg).
  • Eine Gruppe von mehreren Kunden versuchen, das Verkaufspersonal in eine andere Ladenecke oder in das Lager wegen besonderen Wünsche zu führen.

Verhaltenstipps für den Ernstfall

Schließlich stellt sich die Frage: Wie soll man sich beim Stellen eines Ladendiebs am besten- und korrekt- verhalten?

  • Ruhe bewahren, d.h. nicht hektisch sein, da sich dies sonst auf den „Ertappten“ überträgt
  • Einschreiten zum richtigen Zeitpunkt, d.h.: Erst wenn der Ladendiebstahl zweifelsfrei feststeht, sollte eingegriffen werden, d.h. in der Regel hinter dem Kassenbereich
  • Das Gespräch mit dem Dieb immer im Beisein eines Zeigen führen
  • Keine körperlichen Durchsuchungen - dies ist nur der Polizei erlaubt
  • Beweise sichern, d.h. darauf achten, dass der Ladendieb die gestohlene Ware nicht auf dem Weg in das Büro ablegt
  • Polizei hinzuziehen, wenn sich der Dieb nicht ausweisen kann oder ein Wiederholungstäter ist
  • Sollte ein ehrlicher Kunde zu Unrecht beschuldigt worden sein, ist das Mindeste, sich sofort und ausdrücklich zu entschuldigen.

Wachsamkeit ist äußerst wichtig, allerdings darf ein Grundsatz dabei keinesfalls auf der Strecke bleiben, denn: Jeder Dieb ist ein Kunde- aber nicht jeder Kunde ist ein (potenzieller) Dieb!

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Hans-Günther Lemke
Training für Führung und Verkauf
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