Pressespiegel


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Pressespiegel
Pressebericht aus:
Zeitschrift für die Sicherheit der Wirtschaft
, 3. Juni 2004

Einzelhandel -
Selbstbedienung der Mitarbeiter verhindern

von Hans-Günther Lemke

Die Themen "Ladendiebstahl" und "Inventurdifferenzen" sind aktueller denn je. Neben den "Verlustbereichen" wie Falschgeld, EC-Kartenbetrug oder auch Organisierter Diebstahl, gilt es so auch den korrekten Umgang und die Vorbeugung von Mitarbeiterdelikten zu beachten.

Laut der aktuellen Studie EHI 2003 (Eurohandelsinstitut Köln) teilen sich die sich die Inventurdifferenzen in folgende Bereiche auf:

  • 47,4 % Kundendiebstahl

  • 23,4 % Mitarbeiterdelikte

  • 20,2 % Organisatorische Schwachstellen und

  • 9,0 % Lieferanten

Doch vor allem über das Thema "Mitarbeiterdiebstahl" wird im Handel nur ungern gesprochen. Dabei belegen viele Untersuchungen in Einzelhandelsunternehmen übereinstimmend folgende Ergebnisse:

  • 40 bis 50 Prozent der Inventurdifferenzen im Handel entstehen durch eigene Mitarbeiter und Aushilfspersonal.

  • Die Hälfte der internen Verluste entsteht im Kassenbereich.

  • Ein unkorrekter Mitarbeiter richtet im Durchschnitt zehn Mal soviel Schaden an wie ein Ladendieb.

Allerdings ist es auch nicht leicht, einen Mitarbeiter des Diebstahls zu überführen. Meist geschieht dies nur mit speziellen Überwachungsmaßnahmen, wobei vorher die Zustimmung des Betriebsrates eingeholt werden muss. Dies betrifft insbesondere den Einsatz von Videokameras zur Mitarbeiterüberwachung, was gesetzlich seit April 2003 erlaubt ist.

Bei begründetem Verdacht kann auch eine Möglichkeit sein, Testkäufe von Mitarbeitern der eigenen Revision oder auch von externen Beratern durchführen zu lassen. Des weiteren sollten im Geschäft immer klare und eindeutige Regeln und Verhaltensmaßnahmen aufgestellt sein, was z.B. Personaleinkäufe oder auch das Verlassen des Geschäftes nach Geschäfts- oder Dienstschluss betrifft.

Auch ist es immer noch eine Seltenheit, dass ein Mitarbeiter im Falle eines Falles einen Kollegen anzeigt - eine fast unverständliche Tatsache, geht es doch letzten Endes um die Existenz eines jeden in einem Unternehmen.

Gründe

  • Es ist selten, dass ein Mitarbeiter mit dem Vorsatz unehrlich zu sein oder den "Chef zu betrügen" zur Arbeit erscheint. Vielmehr werden auch vom Vorgesetzten Fehler im Umgang und Verhalten mit dem Mitarbeiter gemacht:

  • Der Mitarbeiter hat ein fehlendes Unrechtsbewusstsein und meint, in den Verkaufspreisen sei alles mit einkalkuliert. Dem Mitarbeiter fehlen Informationen, wie die Verkaufskalkulation aussieht.

  • Auch ein schlechtes Betriebsklima kann zur Unehrlichkeit von Mitarbeitern führen. Motto: "Dem Chef" wische ich eins aus".

  • Soziale Probleme wie etwa Überschuldung, Alkoholmissbrauch oder auch kriminelle Veranlagungen bei Mitarbeitern führen häufig zu Delikten. Es sollte ein Grundsatz für jede Führungskraft sein, sich mit den Problemen seiner Mitarbeiter ausführlich zu beschäftigen und wenn möglich immer Hilfe anzubieten.

  • Auch ein Missmanagement des Betriebes kann zur Unehrlichkeit verleiten. Wenn trotz höherer Inventurverluste keine Maßnahmen eingeführt werden, um Mitarbeiterdelikte ausschließen (Personalkontrollen am Ausgang oder auch Taschenkontrollen), ist es nicht verwunderlich, wenn Gelegenheit Diebe macht.

Die meisten "Unehrlichkeiten" geschehen an der Kasse. Der Schaden durch Kassenmanipulationen wird schon heute auf 0,2 bis 0,6% vom Einzelhandelsumsatz geschätzt. Deshalb ist es für jedes Unternehmen unerlässlich, diesem Bereich eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Hauptbetrügereien an der Kasse sind:

  • Das falsche Eintippen von Beträgen, etwa 2,24 statt 22,40 €.

  • Das Arbeiten mit offener Kassenschublade

  • Das Gewähren von unberechtigten Rabatten an Dritte.

  • Komplizenschaft zwischen dem Kassenmitarbeiter und einem Kunden, Verwandten oder Bekannten

  • Falsche Leergutbuchungen (im Lebensmittelhandel)

  • Sofortstornos

  • Preisüberschreibungen bei Wettbewerberpreisangleich

  • Umbuchungen

Ein Fall aus der Lebensmittelbranche dokumentiert das Vorgehen: Eine Kassiererin hatte mit einer Bekannten Waren im Wert von 15.000 € innerhalb eines Jahres durch die Kasse eines Verbrauchermarktes geschleust. Die Komplizin kam als Kundin und lud Waren auf das Kassenband, die von der Kassiererin nur teilweise abgerechnet wurden. Das Urteil lautete ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung und eine zusätzliche Geldstrafe.

Prävention

Um solche Fälle zu vermeiden, ist es wichtig, gezielte Maßnahmen zur Vorbeugung zu treffen: Dies können sein:

  • Regelmäßige Kassenkontrollen, auch Kassenstürze genannt, ohne Vorankündigung

  • Personalfluktuation gering halten- schon in den Einstellungsgesprächen sorgfältig sein und prüfen, welche Einstellung hat der mögliche neue Mitarbeiter, wie ist sein Lebensstandard bisher und welche Ansprüche hat er?

  • Regelmäßige Schulungen im Geschäft über alle Themen der Diebstahlvorbeugung und des richtigen Kassiervorgangs.

  • Motivation der Mitarbeiter - demotivierte Mitarbeiter neigen eher dazu, nicht immer ehrlich zu sein. Nicht mit Lob sparen, wenn ein Mitarbeiter etwas gut gemacht hat

  • Prämien oder Vergünstigungen für die Mitarbeiter. Oft hilft eine kleine Prämie als Anreiz für den Mitarbeiter, mehr auf Ladendiebe zu achten.

  • Informationen über die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge eines Geschäfts- Erläuterung, was eine Inventurdifferenz für die Ertragslage oder den Gewinn bedeutet.

Sollte all dies nicht helfen, gibt es auch technische Möglichkeiten durch Bondatenanalysen die Fehler oder den Missbrauch an der Kasse aufzudecken. Der Einsatz einer Kassensoftware ist jedoch nur mit einer entsprechenden Betriebsvereinbarung durchzuführen. Die Mitarbeiter müssen außerdem darüber informiert sein und es entstehen erhebliche Kosten

Literaturtipp:

Vom Autor ist die Fach-Broschüre "Diebstahlverhütung im Einzel- und Fachhandel" erschienen. Sie soll Grundlagen und Tipps zu diesem Thema vermitteln. Auf 63 Seiten dient so Praxiswissen zur Prävention und zum konkreten Vorgehen im Verdachtsfall.  VDM Verlag Dr. Müller, ISBN 3-936755-06-X 19,95 € plus 2,00 € Versandkosten. Bestellungen auch unter: www.lemke-training.de.

Über unseren Autor:

Hans-Günther Lemke hat 20jährige Führungserfahrung im Einzelhandel, ist selbständiger Berater und Buchautor und berät seit Jahren viele Unternehmen im Einzel- und Fachhandel in allen Fragen der Sicherheit und Diebstahlverhütung. Ein Schwerpunkt ist u.a. auch die Durchführung von Testkäufen.

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Hans-Günther Lemke
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